Paris – 2. Geteilte Freude

Nachdem wir uns dem ewigen Thema Frau und den damit verbundenen lebenspraktischen Problemen mytho-analytisch über die tragische Figur des Paris angenähert haben, gilt es nun kontextimmanent nach einem Ausweg und einer anderen Lösung des Apfelproblems zu suchen, durch die die schlimmen Gewaltfolgen, wie sie im Trojanischen Krieg so leidvoll offenkundig wurden, vermieden werden können.

Drehen wir also die Handlung zurück und geben wir dem mit unseren Erfahrungen bereicherten Paris eine zweite Chance!

Was soll ich tun?, denkt dieser nun. Gebe ich Aphrodite den Apfel, wie ich es ja meiner männlichen Neigung nach am liebsten tun möchte, weil doch die Liebe das Größte ist und weil mich eine schöne Frau noch viel tiefer berührt und bereichert als Macht und Weisheit das können, weil erst sie mich mein eigenes Wesen als Mann ganz erfahren und erfüllen lässt, gebe ich also aus diesen Gründen Aphrodite den Apfel, dann kehren sich Hera und Athene wider mich. Und gebe ich den Apfel einer von diesen beiden, geschieht dasselbe durch die beiden anderen. Ich kann es im Grunde nur falsch machen. Verzwickt ist das mit den Frauen! Was soll ich nur tun?
Wie kann ich mich der Gunst und Zuwendung von allen dreien erfreuen? Gibt es denn keinen Weg, dass ich keine den beiden anderen vorziehe? Kann ich sie nicht gleich behandeln?
Gleichheit! Ist nicht das die gerechte Lösung?
Wird man nicht später einmal stolz verkünden: Alle Menschen sind gleich! Frauen sind doch auch Menschen. Folglich und logischerweise sind auch alle Frauen gleich!
Das muss die Lösung sein!

Paris freut sich, einen vernünftigen Weg aus dem Dilemma gefunden zu haben. Er nimmt den Apfel, teilt ihn sorgsam in drei genau gleiche Teile und tritt nun in fröhlicher Mannesgewissheit auf die drei Frauen zu, um jeder ein Stück von dem Apfel zu überreichen. Jetzt, wo er die Lösung gefunden hat, kommt es ihm fast komisch vor, dass er nicht gleich darauf gekommen ist. Im Grunde war es doch nur eine ganz simple Rechenaufgabe!

Doch während er schon überlegt, ob er die drei Damen nun zu einem gemütlichen Picknick im Grünen einladen soll, merkt er, dass irgendetwas nicht ganz zu stimmen scheint.
Die Mienen der Frauen scheinen zu versteinern und die Luft wird plötzlich wie zum Schneiden.
Was ist denn das?!, donnert Hera. Du hast den Apfel der Schönsten zerstört!
Was für ein Idiot du bist!, zischt Athene. Du scheinst überhaupt nichts zu kapieren!
Und Aphrodite kreischt: Du bist der größte Schlappschwanz, den es gibt! Aus dir wird nie ein Mann werden!

Paris ist wie vor den Kopf gestoßen. Plötzlich hat er nicht mehr zwei der drei Frauen gegen sich, was er doch schlau zu vermeiden suchte, nein, jetzt scheinen sie sich alle drei in grausiger Einigkeit gegen ihn zu wenden. Er ist mit seiner Logik am Ende und das schöne Wort der Weisheit von der geteilten Freude scheint vor den Frauen auch jeden Sinn verloren zu haben.

Sind die Frauen die Wurzel allen Übels? Dieser Frage wird sich Paris nun stellen müssen.

(Fortsetzung am 15.08.2012)

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