Paris – 3. To do or not to do

Einem Deppen gleich steht Paris nun nach dem für ihn völlig unerwarteten Ausgang seiner Gerechtigkeitsbemühungen vor der grundsätzlichen Frage, ob nicht vielleicht das ewig Weibliche die Wurzel allen Übels sei. Anders kann es ja wohl nicht sein, wenn sich das Dilemma mit dem Apfel der Schönsten weder durch eine ehrliche Herzensentscheidung noch durch einen regulativen Akt der praktischen Vernunft befriedigend beseitigen lässt.
Ich kann machen, was ich will, denkt der dank unserer literarischen Interventionen immerhin um einige wichtige Erfahrungen reichere Paris. Es gibt keine Lösung, weil das durch die Willkürreaktionen dieser Frauen hervorgerufene Ergebnis jeglichen Handelns so oder so nur die Probleme mit ihnen vergrößert.
Wenn das aber so ist, wenn das Tun wegen dieser besonderen weiblichen Umstände nur zu größerem Übel führt, dann kann der Dreh aus diesen Kalamitäten nur im Lassen und Nichttun liegen. Verweigerung also, Passiver Widerstand!

Auf diesem Auswegpunkt seiner höchst existentiellen Reflexionen angekommen tritt Paris nun den funkelnden Frauen mit folgenden Worten entgegen: Oh ihr Schönsten der Schönen, die ihr ein Urteil begehrt, das selbst Götter, geblendet vom Glanz eurer Erscheinung, nicht zu fällen vermögen, lasst ab von der Frage, die Glück verheißt und doch Unglück nur zeitigt. Lasst euch an eurer Einzigartigkeit Genüge finden und sucht nicht den Vergleich, der nur Unfrieden und Verderben bringen kann!

Doch ach nur kurz waren der Eindruck und die Stille, die unter den Frauen auf die Worte des Paris folgten.
Du bist ein halber Jüngling noch und redest wie ein Greis, der sich nur noch der Lust der Gedanken hinzugeben vermag!, begann Athene.
Er hat keinen Arsch in der Hose! Das ist alles, brachte es Hera auf den Punkt.
Und Aphrodite fügte mit gefährlich glänzenden Augen hinzu: Wer sich nicht entscheiden mag, wird die Liebe nicht finden, sondern alles verlieren. Wir werden einen anderen suchen müssen, der unserer Frage gewachsen und würdig, einen der Manns genug ist, Antwort zu geben! Kommt, meine Schwestern!

Mit Verachtung wenden sich die Frauen von Paris ab und lassen ihn stehen. Es scheint, er hat wieder einen Krieg verhindert, ohne den Frieden gefunden zu haben. Und Krieg wird es auch ohne ihn geben, denn die Frauen werden gewiss sehr schnell ein anderes Opfer finden, wenn er sich zu handeln weigert. Doch was hätte er tun können?

(Fortsetzung am 01.09.2012)

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