Paris – 5. Die Misswahllawine

Paris – der Erfinder der alljährlichen Misswahl! Hera, zur Erstschönsten gekürt, ist am Ziel aller Wünsche. Athene und Aphrodite sind guter Hoffnung, die Alte im nächsten Jahr vom Sockel zu stoßen, um selbst die Nummer 1 zu werden. Paris aber scheint eine Lösung gefunden zu haben, die unheimlichen Kräfte der Frauen so zu kanalisieren, dass weder er noch sein Volk unter ihren Beschuss geraten.

Und mehr noch: Paris wird zum Motor und damit zum Retter und Helden der schwächelnden griechischen Wirtschaft.
Hera nämlich will ihren Sieg gebührend feiern. Frau weiß ja nie, ob sich so eine Gelegenheit je wieder bietet. Hekatomben von ausgesuchten Rindern, Hektoliter der erlesensten Weine und edelste Spezereien werden geordert. Ein neuer Tempel für das Fest wird hochgezogen. Händler, Handwerker, Künstler und Sicherheitskräfte kommen zu Aufträgen und das Volk zu der neuen Gewissheit, dass es nun aufwärts gehe, was auch die Zaghafteren bewegt, mit neuem Schwung nach ihrem Stück vom großen Kuchen des schönen Lebens zu suchen.
Ein Festredner nimmt das alles zum Anlass, von der Hera-Ära zu sprechen und erntet darob eifrigen Beifall vom Hochadel der Götter und vom gemeinen Volk.

Athene und Aphrodite verfolgen das Fest mit süßem Lächeln, unter dem aufmerksame Blicke und rasende Herzen verborgen am Werke sind. Warte nur, Hera, bald wird dein Glanz verblassen! Beide wetteifern unter strengster Geheimhaltung um ihre Schönheitsoptimierung:
Pflanzliche Säfte
mineralische Kräfte
esoterische Kuren
geheime Tinkturen
Stoff und Leder
Lack und Feder
Schönheitsexperten
mit teuren Offerten
feilen und stylen
ohne Verweilen
an Haut und an Haaren
ohne zu sparen
und alles im Land
blickt wie gebannt
mit glühender Miene
auf die Misswahllawine.

Die Misswahllawine reißt alles mit:
Die Wirtschaft, die Medien, das gesamte öffentliche und private Leben fiebern der nächsten Apfelverleihung entgegen. Als Paris die clevere Athene kürt, weil diese mit ihrer Jungfräulichkeit zu punkten weiß, läuft die Konjunktur auf beängstigend hohen Touren.

Doch was nun folgt, sprengt alle Grenzen. Aphrodite, die schaumgeborene Göttin der Liebe, beginnt zu schäumen und zwingt alle Mittel und Ressourcen dieser Erde, ihrer Schönheit endlich zum Siege zu verhelfen. Systematisch entzieht sie den Elementen des Feuers und des Wassers, der Erde und der Luft, was diese auch immer beitragen können, um ihr den Glanz zu verleihen, der alle anderen überstrahlt. Und so beginnt alle Welt ringsum, seiner edelsten Kräfte entzogen, langsam zu Asche, Schlamm und giftigen Gasen zu mutieren. Die Quellnymphen werden runzlig, die Faune verlieren die Kraft ihrer Lenden und selbst Zeus auf dem Olympos wird von einem bislang ungekannten Reizhusten gequält, der ihn in einen rasenden Stier verwandelt.

Der Urheber, der Schuldige an dieser ganzen Fehlentwicklung wird gesucht und bald auch gefunden. Es ist – wir ahnen es schon – Paris. Unser Paris, der sich schon am Ziel geglaubt, wird sich wieder einmal etwas Neues einfallen lassen müssen.

(Fortsetzung folgt am 04.10.2012)

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