Paris – 6. Die Remanzipation

Paris ist schuld. Die missgewählten Frauen sonnen sich im Glanz der Zeit. Sie sind es, die alles veranstalten, um alles zu verunstalten. Doch schuld ist der Mann. Der Mann, der nach Wegen sucht, vorhersehbares Unheil abzuwenden. Der sich geduldig und verantwortlich und schöpferisch immer wieder männlich um neue Lösungen bemüht.

Können wir wirklich davon ausgehen, dass er, obwohl er ein Mann im besten Sinne, unberührt und unverändert aus diesen Erfahrungen mit den Frauen hervorgeht? Glauben wir ernsthaft, dass Paris so weitermachen kann? Halten wir es nicht doch für wahrscheinlich und im Grunde auch für gerecht, dass diese Verhältnisse endlich von Grund auf geändert werden müssen und geändert werden werden?

Als Bock für die Sünden hat Paris nichts mehr zu verlieren als seine Erniedrigungen. Und er steht nicht allein damit. Viele Menschen haben die Nase ebenfalls gestrichen voll von den staubigen Wüsten, den stinkenden Flüssen und den giftigen Dämpfen, die sie den Kapriolen der konkurrierenden Götterweibchen verdanken.
Sie und Paris, Paris und sie gemeinsam haben es jetzt in der Hand, eine neue Zukunft zu schmieden, in der das Leben aus den Ruinen auferstehen kann, die von den Reichen und Schönen hinterlassen wurden. Wann, wenn nicht jetzt, dieser Gedanke wird in ihnen immer lauter, wann, wenn nicht jetzt, ist die Zeit reif für eine grundlegende Remanzipation?

Und wie das so ist, wenn eine remanzipationäre Idee die Massen ergreift: An einem Dienstag gegen halb drei ergreifen Paris und seine Remanzipationäre die Hera und die Athene und die Aphrodite und stecken sie in die Produktion. In die Pflanzenproduktion, Abteilung Apfelanbau, um genau zu sein.
Hera wird Traktoristin und transportiert fortan mit zwei Hängern Millionen von Äpfeln vom Feld ins Lager.
Athene kommt in die Verwaltung, wo sie fortan für die plangerechte und sozial gerechte Distribution der begehrten Äpfel zu sorgen hat.
Und Aphrodite, die Schlimmste von allen? Aphrodite ist fortan für den Export in die Götterwelt zuständig, ohne den eben auch eine streng antigötteralistisch geführte Plantagenwirtschaft nicht prosperieren kann. Sie arbeitet dort in der Werbeabteilung und possiert mit ihren Äpfeln vor der Kamera.

So weit, so gut. Aber wie geht es weiter?

(Fortsetzung folgt am 18.10.2012)

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