Paris – 8. Das Busenwunder

Sind wir nun, in der Ära der kollektiven Veräpfelung, am Ende der Geschichte angekommen? Es mag den Anschein haben, denn wo das Subjekt verschwindet, wer kann da noch Geschichten, geschweige denn Geschichte machen?

Indes, unterschätzen wir unsere Frauen nicht! Wir können doch nicht ernsthaft annehmen, dass die göttliche Hera, die göttliche Athene und die göttliche Aphrodite so mir nichts dir nichts in ihren Kittelschürzen verschwinden!
Im Gegenteil: Hera will schon von Anfang an, stimuliert auch von den tief empfundenen Vibrationen ihres Traktors, mehr Gegenbewegung. Und Aphrodite versucht ständig, ihre Reize auszureizen. Die kluge Athene aber rät und mahnt, die Zeit reifen zu lassen, bis ein Umsturz in der Plantagenwirtschaft genügend Aussicht auf Erfolg hat, weil die Gefolgschaft der Veränderungsbereiten so weit angewachsen scheint, dass sich ihr niemand mehr im Namen des Kollektivs in den Weg zu stellen vermag.

Vielleicht registrieren wir inzwischen, dass sich unser Blick auf die drei Göttinnen gehörig verändert. Jetzt avancieren sie zusehends zu Sympathie- und Hoffnungsträgerinnen. Wer, wenn nicht sie, kann unter dem allgegenwärtigen Diktat des Kollektivs etwas bewirken? (Nebenbemerkung in Klammern: In der Opposition können Göttinnen und ihre Göttergatten so richtig toll sein.)

Die himmlischen Weiber haben längst erkannt, dass dem System der Massenmenschenhaltung nicht mit Argumenten und auch kaum mit der Gewalt der erhobenen Fäuste beizukommen ist. Es bedarf vielmehr eines subtileren Ansatzes, der unter Einsatz basaler Triebeskräfte die Anarchiewilligen aufreizt und sich erheben lässt, die Verhüter des Aufstandes aber irritiert und paralysiert.

Eines schönen Sommertages während der Feierlichkeiten zu den alljährlich begangenen kollektiven Apfelplantagenfestspielen ist die Zeit gekommen. Hera, Athene und Aphrodite treffen sich wie zufällig an einem Grill. Zum einen, um noch einmal gehörig Glut in sich aufzunehmen, zum anderen aber weil hier viele Festspielbesucher um eine der begehrten Würste anstehen. Und dann – wie auf ein geheimes Kommando – streifen sie sich gleichzeitig die Kittelschürzen von den nackten Leibern und rufen für alle unüberhörbar: „Hier sind die Äpfel!“
Die Wirkung dieses Rufs und dieser Tat ist ungeheuerlich: Es gibt einen kurzen Moment der Stille, in dem man das Nagen der Würmer in den Äpfeln im Biobereich der Plantagenbäume und das Summen der Obstfliegen um den wie stets subventionierten Apfelwein deutlich hören kann.
„Hier sind die Äpfel!“ Dieser Ruf pflanzt sich mit dem Geräusch zerreißender Kittelschürzen tausendfach fort, und in diesem selben Moment zerreißt auch das System.

Wie genau das möglich geworden, welche elementaren Kräfte und Kausalitäten dazu beigetragen, welche Rolle der Männer Kräfte und Säfte dabei gespielt – über alle diese Fragen forschen Historiker und Feminologen wohl noch lange Zeit.
Wichtig für uns und für unseren Paris ist und bleibt das Ergebnis:
Hera, Athene und Aphrodite verüben unter den widergöttinlichsten Bedingungen gemeinsam eines der größten weiblichen Wunder: das Busenwunder. „Hier sind die Äpfel!“ – Die Zeit der Diktatur der kollektiven Veräpfelung ist vorüber.

(Fortsetzung folgt)

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