1. Advent



Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer (Sach 9,9)

Zunächst allen Leserinnen und Lesern ein gutes neues Jahr!
Am 1. Advent beginnt nach der Woche, die auf den Toten- bzw. Ewigkeitssonntag folgt, das neue Kirchenjahr. Die vier Adventssonntage leiten uns auf Weihnachten hin. Da sind gute Wünsche sehr angebracht.

So schnell wie heutzutage ganz gegen unsere Tradition zwischen Heiligabend und Silvester Weihnachten schon wieder „abgehakt“ wird, so sehr wird allerspätestens mit Beginn der Adventszeit „auf Weihnachten gemacht“. Diese Formulierung habe ich bewusst zwiespältig gewählt. Advent und Weihnachten ist heute etwas Zwiespältiges: Es geht um „das“ Fest, das vor allem durch seine Kommerzialisierung wie kein zweites im Jahreskreis unser öffentliches und meist auch privates Leben prägt. Nur wenig zugespitzt kann man von der totalen Mobilmachung während dieser Zeit sprechen. Ich muss das nicht näher erläutern, jede und jeder weiß es. Hektik und Stress sind in diesen Tagen „angesagte“ Begriffe. Es gibt noch so viel zu tun! Also packen wir es an, koste es, was es wolle. Es ist ja nur einmal im Jahr Weihnachten. („Gott sei Dank!“, fügen manche in Klammern hinzu.) Aber nächstes Jahr (oder schon dieses?) machen wir alles anders!
Wie anders?

Wie anders Advent eigentlich ist, können wir auch an den Wochensprüchen dieser Zeit ablesen. Das biblische Leitwort für die erste Adventswoche stammt vom Propheten Sacharja aus der Zeit nach 520 v. Chr. Der ganze Spruch lautet:

Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin. (Sach 9,9)

Das ist klar politisch. Es geht um eine Staatsaktion und um einen Neubeginn nach schweren Zeiten, in denen das Leben eines ganzen Volkes ausweglos fremdbestimmt erschien. Solche Staatsaktionen und Neuanfänge gibt es immer wieder.

Aber das hier lässt aufhorchen. Der angekündigte König ist ein Gerechter und ein Helfer. Das heißt doch: einer, der zuerst und vor allem das Wohl der Menschen im Auge hat, die ihm anvertraut sind, einer, der nicht zuerst an sich denkt, sondern einer, der vor allem anderen „seine Schäfchen“ ins Trockene bringen will – aber gerade nicht im üblichen Sinne dieses Wortes.
Dazu passt das Äußere dieses ungewöhnlichen Königs: Er kommt arm und reitet auf einem Esel, einem Lasttier.

Mit dieser merkwürdigen Ankündigung beginnt das neue Kirchenjahr, beginnt die Adventszeit. Die gewohnte alte Ordnung wird auf den Kopf gestellt.
Natürlich kann man jetzt müde abwinken: „Das wird schon so lange gepredigt, und was hat sich geändert?!“ Wer so reagiert, der hat resigniert und leistet seinen Beitrag dazu, dass alles beim alten bleibt.
Doch wer sich von diesem Spruch ansprechen lässt, der wechselt die Seite und öffnet der Hoffnung eine Tür: „O wohl dem Land, o wohl der Stadt, so diesen König bei sich hat. Wohl allen Herzen insgemein, da dieser König ziehet ein. Er ist die rechte Freudensonn, bringt mit sich lauter Freud und Wonn.“ (aus: „Mach hoch die Tür“, 3. Strophe)

Es ist Advents-Zeit, dass sich etwas ändert. Wir können damit anfangen, indem wir aufhören, in alter Weise „auf Weihnachten zu machen“. Türen aufmachen, darum geht es jetzt: „Siehe, …“

(Was für ein Wochenspruch !)

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s