Die Jahreslosung für 2013 – hier und jetzt und darüber hinaus

Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.
(Hebräer 13,14)

Hier und jetzt findet das Leben statt! Diese alte Einsicht, die der Grundhaltung der fernöstlichen Meditationen entspricht, ist von der modernen Psychologie bekräftigt worden. Die Verstrickungen aus der Vegangenheit und die Erwartungen an die Zukunft können unsere Gegenwart so stark überlagern, dass wir uns des realen Lebens berauben, das immer im Augenblick der Gegenwart gelebt oder auch verträumt und versäumt wird.

„Hier und jetzt!“ ist auch zu einer weitverbreiteten Grundhaltung in unserer Gesellschaft geworden. „Wann, wenn nicht jetzt?“, lautet die entsprechende Suggestivfrage. Hier und jetzt ist Party, knallen die Korken, zünden die Böller und Raketen. Allerdings ist am Morgen danach auch wieder hier und jetzt und damit Zeit und Gelegenheit, aufzuräumen und die Straße von den ausgebrannten Rückständen der großen Party zu säubern. Wer A sagt muss auch B sagen – oder doch lieber gleich A2?

Die neue Jahreslosung aus dem Hebräerbrief im Neuen Testament sieht das anders: Wir haben und leben eine Geschichte. Unsere Gegenwart ist darin eingebettet und kann nicht festgehalten werden.

Das wird auch von der Lebenserfahrung bestätigt, die jeder Mensch unweigerlich macht:
„Verweile doch, du bist so schön!“, funktioniert nicht. Es lässt sich nichts festhalten. Aber auch die schweren Zeiten gehen vorüber. „Alles hat seine Zeit“, steht schon im Alten Testament im Buch Kohelet, Kap.3.

Beide Auffassungen stehen zwar in einer unübersehbaren Spannung, aber nicht in einem unüberbrückbaren Gegensatz. Sie betonen unterschiedliche Aspekte unseres Lebenszusammenhangs: Leben, handeln und etwas verändern können wir immer nur im gegenwärtigen Augenblick. Nur in ihm sind wir da und präsent. Doch dieser Augenblick ist nicht ohne die vorausgegangenen, die in ihn hineinwirken. Ebenso wird unser Handeln in der Gegenwart von seinen Folgen in der Zukunft und den Erwartungen von der Zukunft beeinflusst.

Es kommt darauf an, beide Aspekte nicht gegeneinander auszuspielen, sondern so miteinander zu verbinden, dass dabei das Wesen des menschlichen Lebens nicht verfehlt, sondern erfüllt wird. Dieses Wesen besteht in der endlichen Freiheit bzw. begrenzten Autonomie des Menschen.

Die neue Jahreslosung betont, dass hier nicht alles ist. Wir haben eine Zukunft. Der christliche Glaube macht Hoffnung und Mut, diese Zukunft als etwas Lohnenswertes anzusehen, anzunehmen und anzugehen. Wir haben hier keine bleibende Stadt und können die Gegenwart nicht festhalten. Wer das versucht, verfehlt das Leben, das sich ständig im Fluss befindet und nie ganz kontrolliert und beherrscht werden kann.
Wir können aber nach dem fragen und suchen, was uns in diesem Fluss trägt, reicher macht und wachsen lässt.

Diese Suchbewegung aus der Kraft eines tiefen Vertrauens in den tragenden Grund des Lebens findet hier und jetzt statt und führt uns darüber hinaus zur Versöhnung mit der Vergangenheit und zur Bejahung und Gestaltung unserer Zukunft.

2 thoughts on “Die Jahreslosung für 2013 – hier und jetzt und darüber hinaus

  1. Lieber Heinz,

    habe gerade Deinen schönen Text über die Jahreslosung gelesen, gerne verfolge ich Deine Texte weiter.

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