Epiphanias – phänomenal

Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint jetzt. (1.Joh 2,8)

In diesem Jahr fällt der 6. Januar auf einen Sonntag. In Deutschland wird dieser Tag in Baden Württemberg, Bayern und Sachsen-Anhalt als Feiertag der Heiligen Drei Könige begangen, ebenso auch in Österreich.

Es ist der Tag, an dem in katholischen Gegenden die Sternsinger von Haus zu Haus ziehen und ihre Initialen C+M+B mit der entsprechenden Jahreszahl hinterlassen. Die Buchstaben stehen für Caspar, Melchior und Balthasar, nach der Legende die Namen der drei Könige. In der Bibel ist nur von den Magiern (Weisen) aus dem Morgenland die Rede. Die Buchstaben werden aber auch als Abkürzung für den Segen: „Christus mansionem benedicat “ (Christus segne dieses Haus) gedeutet.

In der evangelischen Kirche wird der 6. Januar als Epiphaniastag bezeichnet. Die folgenden Sonntage werden wie beim Trinitatisfest, dem Sonntag nach Pfingsten, als Sonntage nach Epiphanias gezählt. Ihre Anzahl hängt vom jeweiligen Ostertermin ab. Ostern wird immer am ersten Sonntag nach dem Frühjahrsvollmond gefeiert. Deshalb schwanken die Ostertermine zwischen dem 22. März und dem 25. April, was durch die wechselnde Anzahl der Epiphaniassonntage und später der Trinitatissonntage ausgeglichen wird.

Epiphanias geht auf das griechische Wort epiphania zurück und bedeutet Erscheinung. In diesem sprachlichen Zusammenhang steht auch unser „Phänomen“, womit wir eine außergewöhnliche Erscheinung bezeichnen.

Man kann Epiphanias auch als zweites Weihnachtsfest betrachten. Nicht nur, weil die orthodoxen Christen der Ostkirchen erst an diesem Tag Weihnachten feiern, sondern auch weil die zweite Weihnachtsgeschichte, die mit dem Stern und den Weisen aus dem Morgenland, von denen Matthäus erzählt, das Evangelium dieses Tages ist. Diese Geschichte erzählt vom alten König Herodes in Jerusalem und von dem neugeborenen König, dem Kind in Bethlehem. Das ist schon phänomenal.

Ein Phänomen ist nur dann phänomenal, wenn es auch gesehen und erkannt wird. Wie die Geschichte des Matthäus zeigt, spielt dabei das Unvermutete und Überraschende eine Rolle. In Bethlehem? Wieso in Bethlehem und nicht in der Hauptstadt?

Auch heute können wir in unserem Alltag solche überraschenden Phänomene entdecken. Von einem mit deutlich weihnachtlichen Zügen möchte ich hier erzählen.

Als ich im letzten Herbst London besuchte, habe ich auf dem Trafalgar Square das merkwürdige Denkmal mit dem Kind entdeckt. Und das habt zum Zeichen. Es stammt von dem dänisch-norwegischen Künstlerduo Michael Elmgreen und Ingar Dragset und trägt den Namen „Powerless Structures Fig. 101“.

Die vier Meter hohe Bronzeskulptur steht in der Nachbarschaft von Admiral Nelson. Der hoch erhöhte Kriegsheld wird an den Eckpunkten des großen Platzes von vier Steinsockeln umrahmt, auf denen die Standbilder der Generäle Napier und Havelock sowie ein Reiterstandbild Georgs IV. thronen. Für die sogenannte Fourth Plinth in der Nordwestecke war Mitte des 19. Jahrhunderts ein Reiterstandbild Williams IV. vorgesehen. Weil aber das Geld dazu fehlte, blieb der Sockel unbesetzt. Später konnte man sich nicht mehr einigen, welchem Helden oder König dort im Herzen des British Empire ein Denkmal zu setzen wäre.
1999 wurde von der Royal Society of Arts das „Fourth Plinth Project“ ins Leben gerufen. Der Sockel wurde und wird nun für verschiedene künstlerische Projekte genutzt. Seit Februar 2012 hat der Junge auf dem Schaukelpferd seinen Platz neben den geschichtsmächtigen Herren auf den anderen Sockeln eingenommen.
Als ahnungsloser Besucher musste ich buchstäblich zweimal hinschauen und wollte meinen Augen zunächst nicht trauen, so überrascht war ich von dieser Skulptur. Und dann spürte ich plötzlich die große Freude, die allem Volke widerfahren soll. Was eigentlich unvorstellbar scheint, ist hier Wirklichkeit geworden: Neben die Kriegshelden der Vergangenheit ist, als die Zeit erfüllet war, das Kind getreten.
Es steht da für den dringend nötigen Wandel des menschlichen Bewusstseins. Im Zentrum einer der Weltmetropolen ist damit vor aller Welt ein starkes Zeichen gesetzt: Die alte Weihnachtsbotschaft vom Frieden auf Erden lebt überraschend neu auf. Da ich es aber gesehen habe, breite ich das Wort aus. Und alle, vor die es kommt, mögen sich wundern…

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