Letzter Sonntag nach Epiphanias – Unser großer Sonnenschein

Über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. Jes 60,2

In den alten Zeiten, als die Nacht noch finster war und nicht bis ins kleinste Dorf durch elektrisch betriebene Lampen entnächtigt wurde, wie großartig war damals der Sonnenaufgang! Wie schnell und kraftvoll veränderte die aufsteigende Sonne alles, so weit das Auge reicht. Ja, erst dadurch, dass sie aufging, reichte der Blick des menschlichen Auges jetzt bis an den Horizont. Die Zeit der Finsternis war vorüber, und alle mit der Finsternis verbundenen Ängste und die durch die Angst in Gang gesetzten Schrecken lösten sich im Glanz des Lichtes auf.

Weil Menschen mehr sind als ein Stück Natur, haben sie schon und besonders in den alten Zeiten mehr darin gesehen als einen ganz normalen Naturvorgang. Viele Menschen in den alten Hochkulturen haben die Sonne verehrt und angebetet. Wer eine so große, alles verändernde und lebensspendene Kraft hat, muss doch ein Gott sein!

Doch dieser Sonnengott war sprachlos. Er zog täglich seine genau berechenbare Bahn und scherte sich nicht wirklich um das Wohl und Wehe, das die Menschen erlebten und sich gegenseitig antaten.

Ganz anders der Wort-Gott, der sprechende Gott der Herbräer! Der Gott, der mit ihnen durch dick und dünn ging, der ganz Präsente mit dem Namen Ich bin da. Der war wie ein Vater und machte seinen Kindern klar, was gut und böse ist. Von dem kam alles Leben. Der ging jedem persönlich unter die Haut, und wer ihn loswerden wollte, dem ging er nach. Sein Wort war Gesetz. Es diente dazu, das Leben zu erhalten und die Menschen vor sich selbst in Schutz zu nehmen. Wer dieses Wort in den Wind schlug, auf den kam es als gewaltiger Sturm zurück, der alles mitriss, was sich ihm in den Weg stellte. Und wer mit ihm lebte und es sich zu Herzen nahm, für den war es die Quelle des Segens.

Auf diesem Verständnis-Hintergrund entfaltet der Spruch aus dem Jesajabuch seine Leuchtkraft: Über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.

Du bist mein Sonnenschein, sagen auch wir heute manchmal. Häufiger wird es zu den Kindern oder Enkeln gesagt. Dann heißt es: unser kleiner Sonnenschein.
Von dem HERRN können wir auch sagen: Du bist unser großer Sonnenschein!
Wir können von Gott am besten in Gleichnissen und Bildern reden. An diesem Beispiel kann uns aufgehen, welche Kraft und Bedeutung Gott für unser Leben gewinnen kann.

Wir können das Gleichnis sogar noch weiter führen: Heute wissen wir, dass sich die Erde um die Sonne dreht und Tag oder Nacht davon abhängen, ob wir der Sonne zugewandt oder von ihr abgewandt sind. Mit Gott ist das nicht anders. Er ist kein (n)irgendwo im kosmischen Urnebel verborgenes Superwesen, sondern die zentrale Kraft und Liebe in Person, um die unser ganzes Leben kreist. Wenn wir uns zu ihr hindrehen, geschieht es, dass über uns der HERR aufgeht, und seine Herrlichkeit über uns erscheint.
Genau das ist Epiphanias.

Die Epiphaniaszeit geht in der kommenden Woche zuende. Aber Gottes Herrlichkeit leuchtet und sein Weg mit uns führt weiter durch die kommenden Tage und Wochen. Wir werden in ihnen den Weg Jesu betrachten, in dem der christliche Glaube das menschgewordene Wort Gottes (Joh1,14) und das Licht der Welt (Joh,8,12) sieht.

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