Sexagesimae – Kardiosklerose ist heilbar

Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht.
(Hebräerbrief 3,15)

Am zweiten Sonntag vor Beginn der Passions- und Fastenzeit steht das Wort Gottes im Mittelpunkt der biblischen Lesungen. Gottes Wort ist nicht nur die kürzeste (aber erklärungsbedürftige) Umschreibung dafür, was die Bibel für den Glauben bedeutet. Gottes Wort ist vor allem die wichtigste Form seines Wirkens, so wie die Liebe der wichtigste Inhalt seines Wesens ist. Worte gehen zu Herzen und füllen den Geist.
Worte ohne Liebe sind leer; Liebe ohne Worte ist blind.
Dass Gott Worte für uns hat, unterscheidet ihn von den Götzen, die nichts anderes sind als Projektionen unserer eigenen Vorstellungen, vor allem unserer Wünsche und Ängste.
Dass Gott selbst „das Wort“ (griechisch: der Logos) ist und Mensch wird (Johannes 1) macht seine Liebe hörbar und sichtbar.

Der christliche Glaube ist seinem Wesen nach kein besonderes Gefühl von höheren Dingen, sondern zuerst ein Hören auf das Wort Gottes (Römer 10,17).
Worte sind dazu da, dass sie geteilt werden. Als Mitteilungen breiten sie sich aus. Und wenn ein Wort das Herz eines Menschen erreicht, fängt es zu wachsen und zu wirken an. Jesus hat dafür das treffende Bild vom Samen gezeichnet, der auf den Acker fällt und dort zu wachsen beginnt, um schließlich Frucht zu bringen. Auch darin zeigt sich wieder das Wesen der Liebe: Eins gibt sich dem Anderen hin, und daraus erwächst viel Neues, viel Gutes, das auch selbst wieder liebesfähig ist.

Dieser Prozess, dieses wunderbare Geschehen mit dem Wort und mit der Liebe kann aber auch gestört sein. Eine Störung liegt dann vor, wenn beide Seiten einander nicht das geben können, was zum Wachstum nötig ist. Jesus erzählt im Evangelium des heutigen Sonntags das Gleichnis vom viererlei Acker (Lukas 8.4-8). Darin beschreibt er neben der gelungenen Mission auch Möglichkeiten des Scheiterns.
Gute Worte, die versagen, nicht ankommen und nicht aufgehen, gehören wie die unerfüllte Liebe zu den schmerzlichsten Erfahrungen des Lebens. Weisheitliches Mahnen und humanistische Therapeutik beschäftigen sich eingehend mit diesen Störungen und suchen nach Wegen, den ins Stocken geratenen Fluss der Vermittlung wieder zum Leben zu erwecken.

An dieser Stelle setzt auch der Wochenspruch an: Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht.
Hier wird sofort deutlich, wo der Fluss ins Stocken geraten ist.
Wenn zwischen Gott und mir nichts mehr läuft, muss ich erst einmal den Fehler bei mir selbst suchen. Schon das ist ein weiser Hinweis. Ändern kann ich ja auch bestenfalls nur mich selbst. Über Gott zu lamentieren, ist nicht klüger als den Mond anzubellen.
Das griechische Wort für verstocken im neutestamentlichen Urtext kann uns noch einen Gedankenschritt weiter führen: sklerynō. Davon kommt unser medizinischer Fachbegriff Sklerose, mit dem wir eine Verhärtung von Organen oder Geweben bezeichen.
Auch im tieferen funktionalen Sinn kann Kardiosklerose auftreten, die Verhärtung des Herzens. Verhärtete Herzen sind nur noch sehr eingeschränkt kommunikationsfähig. Ihre eigene Panzerung macht sie hart und unempfänglich für das Wort und für die Liebe.
Leicht ist es nicht, aber zum Glück ist Kardiosklerose heilbar.

Wie? Davon handeln die Bibel und ein guter Teil der gesamten Weltliteratur. Wir kommen gewiss noch öfter darauf zurück. Für heute mag es genügen, das Problem in den Blick zu nehmen und festzuhalten, dass sich an der Tür zum Ausweg aus demselben eine Klinke befindet.

Und nicht vergessen werden darf natürlich die Prophylaxe! Dazu will uns der Wochenspruch schließlich motivieren. Vorbeugen ist besser als Heulen und Zähneknirschen!

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