Invokavit – Zum Teufel

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.
1. Johannesbrief 3, 8

Am ersten Sonntag in der Passions- und Fastenzeit begegnet uns im Wochenspruch und im Evangelium dieses Tages der Teufel.
Für die einen ist er nicht mehr als eine Figur aus dem Kasperletheater, die das Böse verkörpert und am Ende von Kasper, Seppel, Gretel und der Großmutter besiegt wird. Andere vermeiden wie bei Lord Voldemort in der Welt Harry Potters ängstlich seinen Namen und sprechen, wenn es unumgänglich scheint, Schutz suchend vom Gottseibeiuns.
Gibt es einen Teufel, oder ist er nur das Hirngespinst unaufgeklärter Menschen?

In der Bibel wird er hier und da mit wechselnden Namen erwähnt, ist aber weit davon entfernt, mit Gott auf einer Stufe zu stehen.
In den Vorstellungen über den Teufel kommen unterschiedliche mehr oder weniger reflektierte Erfahrungen mit dem Bösen und auch verschiedenartige religionsgeschichtliche Einflüsse zusammen, die im Einzelnen kein einheitliches Bild ergeben.
Die Hauptfunktion des Teufels besteht darin, die Menschen vom Willen Gottes abzubringen und zu einem widergöttlichen Handeln zu verführen. Diese Versuchung zur Sünde wird schon in der tiefgründigen Paradiesgeschichte (1.Mose 3) mit dem Auftreten der Schlange sichtbar. Als Versucher tritt der Teufel auch Jesus zu Beginn seines Wirkens gegenüber, wie im Evangelium des heutigen Sonntages in Matthäus 4,1-11 zu lesen ist.

An Bedeutung und Einfluss hat der Teufel im späteren Volksglauben gewonnen. Zur Zeit Luthers, in der die Inquisition und Hexenverfolgungen die verängstigte Christenheit überschatteten, spielte der Teufel eine große Rolle. Spuren davon können wir auch noch in unserer Märchentradition finden.

Ist der Teufel nur eine Märchengestalt? Haben Verstand und Vernunft in der Aufklärungszeit den Teufel besiegt, indem sie ihn als Ausgeburt einer unreifen und verängstigten religiösen Phantasie entlarvten?
Die Antwort ist einfach: Aufgeräumt hat die Aufklärung nur mit bestimmten mythologischen Vorstellungen vom Teufel. Das Böse ist aber damit noch lange nicht aus der Welt geschafft, wie die weitere leidvolle Geschichte gezeigt hat. Gerade mit Hilfe des Verstandes wurden die Wirkungen des Bösen seit der Zeit der Aufklärung gewaltig gesteigert.

Eine entscheidende Frage bleibt: Steht die Gestalt des Teufels nur für das Böse als Prinzip, oder ist es sinnvoll und notwendig, weiter von dem Bösen in Person zu sprechen?
Diese Frage ist mit großer Umsicht und Vorsicht zu behandeln.

Einerseits ist es eine Verharmlosung, das Böse nur als ein abstraktes Prinzip zu betrachten oder als ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft, wie sich Mephisto in Goethes Faust selbst vorstellt.
Weil der Mensch eine Person (und zu allem fähig) ist, gewinnt auch das Böse im und durch den Menschen eine personale Qualität. Es ist müßig über den Teufel als Gestalt an sich zu spekulieren, wenn er in und für uns Menschen Gestalt gewinnen kann.
Und wenn dieser Ungeist gar eine größere Masse ergreift, dann können ganze Generationen, Völker oder die Menschheit selbst zur Hölle fahren.

Andererseits gilt es die Warnungen zu hören: Malt den Teufel nicht an die Wand!
Jede Verteufelung von Menschen erzeugt psychische und gesellschaftliche Spannungen und setzt damit Kräfte frei, die einen solchen Wahn und Sturm erzeugen und schlimmste Folgen für alle haben können. Die Geschichte ist voll von Beispielen, die eigentlich abschreckend sein sollten und doch bis heute wiederholt werden, weil und solange der Teufelskreis eines in sich selbst beschränkten Denkens und Handelns nicht verlassen wird.

Es ist wichtig, weder Öl ins (Höllen-)Feuer zu gießen, noch die Existenz des Feuers zu leugnen. Und mindestens genau so wichtig ist es, bei der Auseinandersetzung mit dem Bösen nicht auf andere zu zeigen, sondern bei sich selbst anzufangen.

Genau das tut Jesus in der Erzählung der drei ersten Evangelisten, nachdem er von Johannes getauft wurde. Er setzt sich mit dem Teufel, der ihm als Versucher begegnet und in ihm egozentrische Bestrebungen zu entfachen sucht, persönlich auseinander. Jesus ist einer, der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde, heißt es in der Epistellesung des Sonntags Invokavit aus dem Hebräerbrief 4,14-16.

Wenn er als der Sohn Gottes erschienen ist, dass er die Werke des Teufels zerstöre, wie es der Wochenspruch sagt, dann hat das überhaupt nichts mit fanatischem Eifer gegen Menschen, die anders denken, glauben und leben, zu tun. Es ist ein spiritueller Kampf, der im eigenen Inneren geführt wird. Das Ziel dieses geistigen Kampfes besteht darin, der vom Schöpfer des Lebens gewollten Gerechtigkeit und Liebe zu seiner ganzen Schöpfung gegen den Geist und die Macht der Selbstbeschränktheit zum Sieg zu verhelfen.

Muslime, die dem Koran folgen, nennen dieses Bemühen dschihad – vgl. http://www.islam-info.ch/de/Dschihad.htm . (Das ist kein überflüssiger Nachsatz, sondern zum Teufel nochmal ein wichtiger Hinweis für uns Menschen im westlichen Kulturkreis.)

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