Ostern – Uff! und Halleluja!

Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. Offenbarung Johannes 1, 18

Uff!, kann ich da zunächst nur sagen, und das scheint mir heute die kürzeste und korrekteste erste Antwort auf das Wort zu Ostern zu sein. Vor allen Erklärungen und Deutungsbemühungen steht das Erstaunen und Erschrecken. Es findet sich schon in den Evangelien.

Am Freitag ist Jesus am Kreuz den Tod eines Verbrechers gestorben und anschließend begraben worden. Markus erzählt von den drei Frauen, die am Ostermorgen zu seinem Grab gingen. Sie finden es leer und treffen auf einen Jüngling in einem langen weißen Gewand. Der sagt ihnen, dass Jesus nicht im Grab, sondern auferstanden ist und sie ihn sehen werden. Die Frauen reagieren mit Zittern und Entsetzen. Sie fliehen von dem Grab und sagen niemandem etwas, denn sie fürchten sich.
Lukas erzählt von den beiden Jüngern, die am gleichen Tag von Jerusalem nach Emmaus gehen. Jesus schließt sich ihnen an, sie erkennen ihn nicht, aber ihr Herz brennt in ihnen, als sie miteinander sprechen. Am Abend sitzt er mit ihnen am Tisch, bricht das Brot und da werden ihre Augen geöffnet. Er aber verschwindet vor ihnen. Sie laufen zurück nach Jerusalem, berichten den elf Jüngern. Da tritt Jesus zu ihnen, und sie erschrecken, fürchten sich und meinen, es wäre ein Geist.
Johannes erzählt von Thomas, der nicht dabei war, als der auferstandene Jesus zu den Jüngern kam. Er kann es nicht glauben, was sie ihm erzählen, wenn er ihm nicht persönlich begegnen und seine Wundmale berühren kann.

Die Botschaft von der Auferstehung Jesu ist so ungewöhnlich, so unglaublich. Das ist das erste, was zu Ostern zu sagen ist. Es passt nicht in unsere Vorstellungswelt. Ist Ostern deshalb zu einem Fest des Hasen und der bunt bemalten Eier geworden? Auch dahinter steckt christliche Symbolik, doch im Vordergrund steht heute der niedliche äußere Schein.

Ostern ist nicht niedlich. Und wenn wir es uns auch nicht vorstellen können, was da in der Bibel erzählt wird – die Folgen sind unübersehbar:
Aus dem Ende Jesu am Kreuz wurde ein neuer Anfang.
Aus der Trauer um einen Toten wurde Lebens-Freude.
Aus den verängstigten Jüngern wurden Zeugen des Glaubens.
Aus einer scheinbar gescheiterten Mission wurde eine Bewegung des Geistes, die bis heute fortwirkt und sicher immer wieder kraftvoll erneuert.

Alles nur Hirngespinste? Alles nur ausgedacht und erfunden? Das Motiv für diesen Einwand ist verständlich: weil nicht sein kann, was nicht in den Rahmen meines Vorstellungsvermögens hineinpasst. Aber wenn die ersten Christen das alles nur erfunden hätten, dann hätten sie es sich wirklich selbst äußerst schwer gemacht –
mit einem Gott, der als Verbrecher hingerichtet wird,
mit den Jüngern, die Jesus im Stich lassen, und einem, der ihn verrät,
mit Petrus, der ihn ängstlich verleugnet,
mit den Frauen, die entgegen dem Rollenbild dieser Zeit den Männern vorangehen,
mit der Herkunft Jesu aus dem zweifelhaften Ort Nazareth
mit seiner Taufe durch Johannes, der von seinen Anhängern auch als Heilsbringer verehrt wurde.

Natürlich können wir die Auferstehung nicht wissenschaftlich erklären. Erklären in diesem Sinne heißt doch, Unverständliches auf Verständliches zurückführen und aus ihm abzuleiten. Alle Erklärungsversuche wie der, dass Jesus vielleicht nur scheintot war, muten geradezu lächerlich an.
Schwarz auf weiß haben wir nur das Wort der Bibel. Doch das Neue Testament wäre nicht entstanden, wenn nichts gewesen wäre. Dieses Wort hat die Geschichte grundlegend verändert.

Der Wochenspruch aus dem Buch der Offenbarung des Johannes ist eine spätere Reflexion des Ostergeschehens, die zugleich seine gewaltige Bedeutung herausstellt:
Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.
Diese Worte hört der alte Seher Johannes während der Zeit der Christenverfolgungen auf der Sträflingsinsel Patmos. Er sieht eine himmlisch leuchtende Christusgestalt, die ihn mit diesem Wort anspricht, ihn Sendschreiben an sieben kleinasiatische Gemeinden aufsetzen lässt und ihm in den schweren Zeiten der frühen Kirche in subversiven Visionen den Weg aus Tod und Hölle zeigt.

Man kann die ganze Geschichte seit Ostern als Geschichte eines gewaltigen Ringens zwischen Glauben und Unglauben betrachten. Das zeigt sich schon bei der Wortwahl: Was ist Glaube: Fromme Illusion, die sich an Wunschbilder klammert, oder befreite Widerständigkeit, die der anscheinend unaufhaltsamen Gefräßigkeit des Todes ein zuversichtliches Stopp, in Gottes Namen! entgegenruft?
Was ist Unglaube: Renitenz gegenüber den göttlichen Offenbarungen und Dogmen der Kirche oder menschlicher Zweifel und Skepsis im Spannungsfeld zwischen ererbter Tradition und eigener Lebenserfahrung?

Bei all diesen Betrachtungen und Erwägungen darf aber am Ende nicht vergessen werden: Ostern ist ein Ereignis, „dran niemand sich g’nug freuen mag“ (Evang. Gesangbuch 106,1). Wo das Wort von der Auferstehung ankommt, da breitet sich Freude aus. Es ist, als ob ein Meteorit aus Glaube, Hoffnung und Liebe aufschlägt und sich daraufhin eine gewaltige Kraftwelle unter den Menschen ausbreitet. Dieser Welle der Freude verdankt die junge Christenheit ihre unaufhaltsame Dynamik. Ihre Macht liegt nicht in der Stärke von Waffen, sondern in ihren Liedern und Freudengesängen. Halleluja!

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