2. Sonntag nach Trinitatis – Im Notfall

Christus spricht: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Matthäus 11, 28

Der Wochenspruch klingt wie eine verlockende Einladung. Nach Mühen und Anstrengungen wird uns am 2. Sonntag nachTrinitatis eine Erquickung angeboten. Dazu ließe sich das beliebte Sommerlied Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit singen.

Doch in diesem Sommer 2013 ist die Zeit auch bei uns ganz und gar nicht lieb. Die Bächlein rauschen nicht idyllisch im Sand, wie es in der fünften Strophe besungen wird. Sie drücken gegen ihre Dämme, treten über die Ufer, überschwemmen Dörfer und Städte und verwüsten, was Menschen über Jahre und Jahrzehnte mit viel Mühe und Hingabe für sich und ihre Kinder aufgebaut haben. Von einem Tag auf den anderen haben viele ihr ganzes Hab und Gut verloren, andere bangen noch darum.
Wenn das Wasser kommt, sind die Menschen vor eine Fülle von ganz kurzfristigen, aber weitreichenden Entscheidungen gestellt. Was ist zu befürchten? Lässt sich das Schlimmste noch verhindern? Was ist jetzt das Richtige? Was sollen sie nötigenfalls mitnehmen und was zurücklassen? Diese äußerst angespannte Situation kann Stunden oder auch Tage dauern.
Wenn das Wasser abzieht, wird das ganze Ausmaß der Schäden sichtbar. Wir sehen fassungslose Menschen, die wir auch selbst sein könnten. Manche stehen nach ihren eigenen Worten wieder bei null und wissen oft nicht, wie es für sie weitergehen wird. Trotz äußerster Anstrengungen während der letzten Tage finden viele von ihnen keinen Schlaf. Was geschehen ist, kann doch nicht wahr sein. Und doch ist es so.
Notfallseellsorger sind im Einsatz und gehen auf diese Menschen zu. Können sie mit ihren Worten angesichts dieser Katastrophe überhaupt etwas ausrichten? Oft hören sie nur den Klagenden zu, die noch nicht begreifen können, was sie erlebt haben. Es ist sehr wichtig, dass ihnen jemand zuhört. Sie müssen sich aussprechen und ihre Erlebnisse, Gefühle und Gedanken mit jemandem teilen können, der jetzt für sie da ist und mitfühlend zuhört, ohne sie abzuwehren oder ihre zu Not zu beschwichtigen. So können sie anfangen, erste Worte für das noch Unbegreifliche zu finden, und das Mitgefühl zu spüren, das ihnen entgegengebracht wird.

Wenn das Wasser wieder fort ist, kann es sein, dass die Seele noch mitten in der Flut steckt und ohne Orientierung hoffnungslos dahintreibt. Deshalb sind die Notfallseelsorger und andere Menschen, die einfühlsam und geduldig auf die innere Not der Betroffenen eingehen können, wichtige Helfer, die ihnen vom Ufer oder einem Boot aus die Hand entgegenstrecken.

In diesen Tagen sind es bei uns wohl vor allem solche Helfer, die das Wort Jesu einlösen: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Im griechischen Urtext des Neuen Testaments steht für erquicken ein Wort, dass wörtlich mit ausruhen machen oder Ruhe gewähren zu übersetzen ist.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s