3. Sonntag nach Trinitatis – Mensch, Jesus

Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. Lukas 19, 10

Natürlich möchten wir unser Kind auf eine gute Schule schicken. Es soll gut auf sein späteres Leben vorbereitet werden. Dazu gehören gute Lehrer, eine gute Atmosphäre und ein guter Umgang.
Guter Umgang ist besonders wichtig. Die Menschen, mit denen es tagtäglich umgeht, üben einen starken Einfluss auf unser Kind aus. Da wünschen wir uns einen interessanten und interessierten, offenen und aktiven, engagierten und mitfühlenden, starken und bewussten, klugen und besonnenen Umgang.
Der bringt unser Kind weiter, nicht aber solche Typen, die den ganzen Tag nur träge rumhängen, sich jeden Schund reinziehen, noch kein einziges Buch gelesen haben, manchmal im Supermarkt etwas mitgehen lassen, starke Sprüche klopfen und den Mund nicht aufkriegen, wenn man sich ernsthaft mit ihnen unterhalten will.
Guter Umgang ist auch im späteren Leben wichtig. Er ist eine Ehre und eine Zierde, haben unsere Eltern dazu gesagt. Schlechter Umgang schadet, färbt ab, zieht runter, lässt einen selbst anrüchig erscheinen. Wer etwas auf sich hält, meidet schlechten Umgang und legt Wert auf Distinktion.

Ob Maria und Josef es vergessen haben, ihrem Sohnemann das beizubringen? Vielleicht haben sie es ja versucht, doch er schert sich nicht darum. Und nicht nur das: Er stößt den guten Umgang geradezu vor den Kopf. Die Pharisäer, die es wirklich ernst meinen und ganz bewusst leben, und die Gebildeten, die Schriftgelehrten, die viel Wissen und Einfluss erworben haben und deshalb auch allgemeine Achtung genießen – sollte der junge Jesus nicht froh und dankbar sein, wenn er als Handwerkersohn in den besseren Kreisen Aufnahme und Gehör findet? Vielleicht würden sich da auch für ihn manche Aufstiegschancen ergeben…

Aber nein, unser Jesus treibt sich mit diesem Gesindel rum: Sünder, denen es wurscht zu sein scheint, was gut und böse ist, Huren, die sich für Geld hingeben und wahrscheinlich keinen Funken Ehre mehr im Leib haben, Zöllner, die andere schamlos über den Tisch ziehen, Fresser, Weinsäufer, Strolche jeder Art. Wer solchen Umgang hat, der braucht sich nicht zu wundern, wenn er schief angesehen wird. Und wo das hinführen kann, hat man ja gesehen bei Jesus.

Aber er will offensichtlich nicht vernünftig sein. Als ihn die Leute, die für ihn ein guter Umgang hätten sein können, deswegen zur Rede stellen, da sagt er doch glatt: Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. Und dann erzählt er auch noch solche Stories wie die von den zwei Söhnen, von denen der eine erst alles, was er von seinem Vater bekommen hat, in kurzer Zeit verjuxt und am Ende, als er wie ein herumstreunender Hund wieder angekrochen kommt, noch groß gefeiert wird. Ist es nicht ziemlich verantwortungslos und jugendgefährdend, derartige Geschichten in die Weltliteratur zu setzen?
Oder handelt er etwa nach der Devise Gottessöhne dürfen das?

Wenn er bei uns heute leben würde, hätte Jesus es ganz und gar nicht leicht.
Und auch die, die ihn besonders verehren, würden mit ziemlicher Sicherheit öfter den Kopf schütteln, wenn sie ihn so erleben könnten.
Aber vielleicht hat er uns ja gerade deshalb etwas zu sagen, wer weiß?

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s