Fröhlich*

sei das erste Wort in der  >  Wortklauberei.

Fröhlich ist mir sehr vertraut.
Ich kenne es vor allem aus dem kirchlichen Bereich. Vom weihnachtlichen O, du fröhliche bis zum österlichen Wir wollen alle fröhlich sein wird dort ein immer fröhlich Herz sehr hochgeschätzt.

Aber auch außerhalb der Kirche waren wir früher noch fröhlich.
In der DDR wurde eine Kinder- bzw. Pionierzeitung  Fröhlichsein und Singen genannt.
Und aus dem Westen, wo man und woman schon viel früher Englisch sprachen, erfuhren wir, dass Frolic jedem Hund schmeckt.

Heute fällt mir auf, dass Jüngere dieses Wort fast überhaupt nicht mehr verwenden.
Selbst Fröhliche Weihnachten oder Fröhliche Ostern höre ich kaum noch aus ihrem Mund.

Auch das zu fröhlich gehörende Hauptwort, die Freude, ist ziemlich aus der Mode gekommen.
Statt ihrer begegnet uns auf Schritt und Tritt viel Spaß. Kein Wunder, wir leben ja in einer Spaßgesellschaft – auch wenn es nicht immer lustig ist.

Ist fröhlich ganz und gar uncool geworden?
Hat sich das Wort in die Nische zwischen Kirche,  Kaffeefahrt und Volksmusik zurückgezogen?
Ein Wort von gestern, ein belächeltes Wort aus dem Rentnerleben?

Apropos Ältere: Mir fällt auf, dass sich viele ältere Menschen immer wieder bemühen, die Sprache der Jüngeren zu verstehen und sie zum Teil auch selbst verwenden. Umgekehrt läuft da aber kaum etwas.
Was sagt das über die Einstellung der Jüngeren gegenüber den Älteren und ihrer (Sprach-) Kultur?

Apropos Jüngere: Fröhliche Kinder – gibt es die heute noch?
Hier und da ist noch vom fröhlichen Kinderlachen die Rede, aber das scheinen die letzten Reste zu sein. Fröhliche Kinder sind out.
Welche Vorstellungen stecken in diesem Wortpaar?
Warum wird es heute kaum noch verwendet?
Welche Ausdrücke und Begriffe sind an seine Stelle getreten?
Was besagt diese Sprachverschiebung?

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* Wie aus den nachfolgenden ellenlangen Hinweisen (nur) für besonders Interessierte  zu ersehen ist,
waren die Altvorderen auch nicht ganz ohne.
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Band 4:

FRÖHLICH,laetus, an sich weniger als froh, wie kleinlich, reichlich, höchlichkein volles klein, reich, hoch, nur die annäherung dazu ausdrücken oder auch den sinnlichen begrif abstract fassen. derfröhliche ist gleichsam halbfroh, beginnt sich zu freuen, frohe empfindung, froher mut gehen tiefer als eine blosz fröhliche,als ein fröhlicher. doch werden beide wörter fast ganz gleich genommen und angewendet, schon das ahd. frawalîh nebenfrao, und auch mhd. steht frœlîch sehr oft, in vielfacher anwendung, z. b. mit vil frœlîchen siten ist blosz umschreibung des einfachen adverbs.Luther setzt in der bibel frölich viel häufiger als fro,meistens auch praedicativ, z. b. und solt sieben tage frölich sein fur dem herrn. 3 Mos. 23, 40; und sei frölich, du und dein haus. 5 Mos. 14, 26; mein herz ist frölich in dem herrn. 1 Sam. 2, 1; und waren frölich und schlugen die hende zusamen. 2 kön. 11, 12; das meer brause und was drinnen ist, und das feld sei frölich und alles was drauf ist. 1 chron. 17, 32; und das volk ward frölich. 30, 9; lasz mich hören freude und wonne, das die gebeine frölich werden, die du zeschlagen hast. ps. 51, 10, was an die frohen glieder vorhin bei N.mahnt; himel frewe sich und erde sei frölich. ps. 96, 11; mit im essen und trinken und frölich sein. Judith12, 13; seid frölich und getrost, vulg. gaudete et exsultate, ahd.gisëhet inti blîdet, wosehen und freuenwieder gleich genommen sind.Matth. 5, 12; lasset uns essen und frölich sein (goth. matjandans visam vaila). Luc. 15, 23. in andern bibelstellen ist es aber attributiv: jauchzet gott mit frölichem schall. ps. 47, 2; das were meines herzen freud und wonne, wenn ich dich mit frölichem munde loben solte. 63, 6; der die unfruchtbare im hause wonen macht, das sie eine fröliche kindermutter wird. 113, 9; ein frölich herz macht ein frölich angesicht. spr. Sal. 15, 13; du warest vol gedönes, eine stad vol volks, eine fröliche stad. Es. 22, 2; ist das ewre fröliche stad? 23, 7; und wil heraus nemen allen frölichen gesang. Jer. 25, 10; frewet euch mit den frölichen und weinet mit den weinenden (goth. faginôn miþ faginôndam, grêtan miþ grêtandam). Röm.12, 15; denn einen frölichen geber hat gott lieb (untê hlasana giband frijôþ guþ). 2 Cor. 9, 7. von diesem gern und freundlich gebenden sagt der Winsbeke 49, 4:

ist ër dâ bî ein vrœlîch man,
dërʒ wol den liuten bieten kan,
sô tuot sîn brôt dën nëmenden wol
nnd lachent beide einander an.

es braucht wenig andere beispiele:frölich und guter dinge; sag mir es frölich heraus. buch der liebe 227, 2;

ein frölichs vöglin sorgt für sie.
Scheid grobian H 3;

indessen findet sich die ganze zunft zusammen,
die auf dich frölich ist.
Fleming 587 (wie vorhin auf bei froh);

die lebhaftigkeit der französischen poeten hat ihrer kunst die benennung der fröhlichen wissenschaft (prov. gai saber) erworben.Hagedorn 3, iv;

und bin fröhlich in gott der mir in ewigkeit heil ist. Messias 11, 642;

der fröhliche pocal.
Gökingk 3, 110, vgl. freudenbecher;

um zu begreifen, wie es möglich ist, dasz das genie auf dem gipfel, bei dessen bloszem anblick uns schwindelt, sich frei und fröhlich bewege.Göthe 19, 343;

doch ich verstand dich nicht, bis du zum vater die mutter
schicktest und schnell das gelübd der fröhlichen ehe vollbracht war. 40, 231;

daheim regierten sie sich fröhlich selbst
nach altem brauch und eigenem gesetz.
Schiller 529b;

ich wäre wol frölich so gerne,
doch kann ich recht frölich nicht sein,
denn liebchen das wohnet so ferne,
das musz ich oft lassen allein.
Schmidt von Werneuchen 31;

dein ist das gröszte geschenk, und ich mit wenigem fröhlich
kehre heim zu den schiffen. Il. 1, 167;

in frölichen sätzen nachspringen; einen frölichen morgen wünschen. Ettnershebamme 3. 5. 10; gleichsam die fröhliche morgenröthe. J. P. lit. nachl. 4, 168; es frölich (frisch, mutig) angreifen. zeitschr. des thüring. vereins 4, 157.auch fröhlich nimmt, wie froh, den gen. zu sich: Arsace war der vertröstung frölich. buch der liebe 211, 1;

des laszt uns alle fröhlich sein.vers 6 des liedesvom himmel hoch da komm ich her;
des sollt ihr billig fröhlich sein.vers 3 des liedesvom himmel kam der engel schar;
fröhlich nun des stillen wunsches.
Voss.

man merke, dasz frölich, gleich frech (sp. 92),fruchtbar und fett ausdrückt, das fröliche feldin der angeführten stelle 1 chron. 17, 32; man sagt der fröhliche wachsthum, und in geil, das ja froh bedeutete, begegnet dieselbe vorstellung: jeder apfelbaum will einen feisten, frölichen und schwarzen grund; der birnbaum begehret einen frölichen, feisten und wol getüngten grund. Hohberg 3, 1, 339a.lat. laeta pabula, prata laeta, laetae segetes. sie lagerten sich auf ‚den fröhlichen mann‘ (so heiszt eine waldstelle in der Wetterau).endlich gilt fröhlich von einer frischen, heiteren farbe: zorn eim menschen kein fröliche farb in seinem angesicht geberen thut.buch d. liebe 234, 4; das colorit, welches in des Guido werken sanft und fröhlich ist.Winkelmann 2, 393. s. fröhlichkeit.

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