„das h ist ein scharpffer athem, wie man in die hende haucht“(1)

Zwei Wörter mit H gehen mir am heutigen Nationalfeiertag durch den Sinn.

Früher, als ich noch in der DDR lebte, war bei ähnlichen Gelegenheiten das Wort HURRA zu hören.
Sprachgeschichtlich ist es ein Kampf-, Jagd- und Hochruf, der auf das mittelhochdeutsche ‚hurren‘ = ’sich schnell bewegen‘ zurückgeht. Oft wurde er nicht nur einmal, sondern gleich dreimal hintereinander ausgestoßen: HURRA! HURRA! HURRA!

„die interjection war in den befreiungskriegen schlachtruf der preuszischen truppen und ward auch von fremden angenommen:

und Preuszens blüthe die knospe sprengt, hurrah!
ein jeder zur lanze, zum schwert sich drängt, hurrah!
es dröhnte das hurrah durch mark und bein,
die schaar Alexanders stimmt mächtig mit ein:
hurrah, hurrah, hurrah!“(2)

Deutlicher noch wird Schiller, der die Räuber in seinem gleichnamigen Stück singen lässt:

„Das Wehgeheul geschlagner Väter,
Der bangen Mütter Klaggezeter,
Das Winseln der verlaßnen Braut
Ist Schmaus für unsre Trommelhaut!

 Ha! wenn sie euch unter dem Beile so zucken,
Ausbrüllen wie Kälber, umfallen wie Mucken,
Das kitzelt unsern Augenstern,
Das schmeichelt unsern Ohren gern.

 Und wenn mein Stündlein kommen nun,
Der Henker soll es holen!
So haben wir halt unsern Lohn
Und schmieren unsre Sohlen,
Ein Schlückchen auf den Weg vom heißen Traubensohn,
Und hurra rax dax! geht’s, als flögen wir davon.(3)“

Da drängt sich wie von selbst das zweite H-Wort auf, dass in diesem Jahr für uns verstärkt aus dem Reich der Phantasie in die Realität eindringt: HORROR. Die Ärzte im alten Rom bezeichneten damit Fieberschauer, Schüttelfrost und das Emporstarren der Haare. Seit dem späten 18. Jahrhundert ist es in der Allgemeinsprache ein Ausdruck für Schauder, Schrecken, Abscheu und Entsetzen geworden.

Beide Worte können in ihrer Wirkung so eng beieinander liegen – aus HURRA! kann HORROR werden.

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1 Valentin Ickelsamer (ca. 1500-1547), hat (laut Wikipedia) 1534 die erste deutsche Grammatik „Ain Teütsche Grammatica“ in deutscher Sprache geschrieben. Das Zitat daraus findet sich in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Band 10, Spalte 1
2 Ebenda, Band 10, Spalte 1968
3 Die Räuber, 4. Akt, 5. Szene

 

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