Hoffnung und Optimismus

„Die Hoffnung stirbt zuletzt!“ heißt es manchmal in schwierigen Situationen. Das Wort „Hoffnung“ begegnet uns in vielen Wendungen und Zusammensetzungen, und als ihrer selbst nicht so ganz sichere Antwort verwenden wir es neben „Ich glaube schon“ auch als „Ich hoffe mal“.

Doch im betonten Sprachgebrauch, so scheint mir, ist heute öfter von „Optismus“ die Rede als von „Hoffnung“.
Ich höre öfter: „Ich habe den Optimismus“ bzw. „Ich bin optimistisch“, als dass jemand von „Hoffnung“ spricht.

Ist das nur mein persönlicher Eindruck?
Was unterscheidet die häufig synonym verwendeten Begriffe „Hoffnung“ und „Optimismus“? Vor allem wohl die Wortbildung.

Die „Hoffnung“ ist von ihrem Ursprung her verbaler Natur: Sie geht darauf zurück, dass jemand da ist, der hofft. Und sie verbindet sich mit einem Ziel, auf das sie sich richtet. In diesem Zusammen-Hang ist sie ein konkreter Lebensakt, in dem eine Person eine Brücke hin zu einem Ziel baut. Beim Hoffen wird besonders deutlich, dass diese Brücke über einen Abgrund führt, der wohl nur durch Hoffen überwunden werden kann. Sprachforscher bezeichnen es als fraglich, ob eine Verbindung zu „hüpfen“* besteht, aber erhellend ist der Gedanke. Wer hofft, springt über einen Abgrund auf die andere Seite. Oder er gleicht dem Frosch, der in einen Milchbottich fällt und sich dadurch vorm Ertrinken rettet, dass er hüpft und hüpft und hüpft, bis aus der Milch schließlich Butter geworden ist.
Auch im Englischen legt sich ein Zusammenhang zwischen „hope“ und „hop“ nahe.
Im Lateinischen verbindet das Wortspiel „dum spiramus, speramus“ das Hoffen mit dem Atmen und lässt es damit als einen fundamentalen Lebensakt erscheinen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Ganz anders verhält es sich sprachlich mit dem „Optimismus“:  Als klar erkennbare Ableitung aus dem lateinischen Superlativ von „gut“ tritt er erst im 18. Jahrhundert über die philosophische Hintertreppe in unsere Sprachwelt ein. Vom leibnizschen Fachterminus zur Bezeichnung der Idee, dass diese Welt die beste aller möglichen Welten sei, wandelt sich der Optimismus bald zu einer allgemeinen Auffassung und zuversichtlich bejahenden Lebenseinstellung.
Was ihm ursprünglich fehlt, ist ein Verb.
Das ist der Grund, warum ich mit den Augen Erich Kästners etwas skeptisch auf den Optimismus schaue, denn: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“

Doch da kommt schließlich ganz modern doch noch ein Verb daher: „optimieren“ heißt es.
Und wenn heute manche schöne Hoffnung zu schwinden droht, weil wir nicht mehr so viel hoffen können, so brauchen wir doch nicht zu verzagen, wenn wir immer mehr zu optimieren lernen.
Ob so ein Schuh daraus wird? Ein Schuh vielleicht. Die Schuhe sind heute schon so viel besser als früher.

Man kann es natürlich – gleichsam vom Idealismus her – auch genau anders herum sehen: Am Anfang steht, die innere Grundeinstellung. Was bin ich?
Und wenn ich Optimist bin, dann bringe ich auch dort, wo es wirklich darauf ankommt, leichter die Kraft zum Hoffen auf.
Wie wird man aber Optimist? Geht das auch ohne jede Hoffnung?
Das Umgekehrte ist jedenfalls möglich: Man kann Hoffnung haben, ohne ein Optimist zu sein.

——–

* Pfeifer, Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. (2014), S.549f.

 

 

 

 

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