fɛɐ̯ˈrʏkt

Es ist schon ganz schön verrückt mit diesem Wort.
Über die Etymologie muss nicht gerätselt werden: Ganz klar erkennbar ist da etwas von seinem urprünglichen Platz an eine andere Stelle gerückt worden.  Immanuel Kant, der große Klardenker der deutschen Aufklärung, kann deswegen auch problemlos mit einer allgemeinen Definition der Verrücktheit aufwarten: „das einzige allgemeine merkmal der verrücktheit ist der verlust des gemeinsinnes und der dagegen eintretende logische eigensinn“(1)
Doch wie kann es zu solcherlei Sinneswandel kommen? Hierüber gibt uns der Dichter Ludwig Tieck nähere Auskunft: „bei auszerordentlich’n begebenheiten geräth der mensch in eine art verrücktheit!“(2)
Sind es dann aber nicht eigentlich die Verhältnisse, die den Menschen verrückt machen? 

Am 24.10.1989 telefonierte der ausgebürgerte Wolf Biermann vom Westen aus mit Bärbel Bohley in der DDR. Sie lud ihn ein, am 04.11. in Ostberlin auf der großen Demo zu singen. Und seine Antwort war: „Oh, ihr Verrückten, ihr wunderbar Verrückten. Ich will das gerne, natürlich!“(3)
Wenn die Verrückten nicht wären, dann wäre alles unverrückbar beim Alten geblieben.

So verrückt kann es mit diesem Wort sein!
Ist es nicht  i r r e  wichtig, dass wir manchmal auch verrückt sind?
Wir sollten uns darüber ernsthaft Gedanken machen…

——–

1 Zitat aus Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Band 25, Sp. 1025
2 Zitat aus ebenda
3 http://www.deutschlandfunk.de/wer-sich-nicht-ueber-die-wiedervereinigung-freut-mit-dem.694.de.html?dram:article_id=59531

 

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