[ˈfri:dn̩]

In diesem Jahr erscheint er uns brüchig, wie seit langem nicht, der Frieden.

Die Nachrichten sind voll davon, und in unseren Gesprächen taucht er wieder als bange Vokabel auf,
nachdem er solange im Archiv der Selbstverständlichkeiten geruht hat.

Der Frieden ist wieder fraglich geworden.
Und ein fraglicher Frieden muss befragt werden, was denn gemeint sei, wenn er wieder neu zur Sprache kommt.

Hängt das Wort ursprünglich mit dem „Einfrieden“ eines Gebietes, dem Umzäunen einer Schonung zusammen?
Ein solcher „Frieden“ kann dann auch durch vertragliche Zäune, die man in Form von Gesetzen setzt, hergestellt werden.
Doch wer kann das machen?
Zuallererst diejenigen, die das Sagen haben. Und hier liegt wohl auch das Problem:. Diejenigen, die das Sagen haben, sprechen natürlich in erster Linie für sich selbst, wie man es bis heute immer wieder beobachten kann.

Ähnlich verhält es sich mit dem lateinischen „pax“, aus dem im Englischen „peace“ und im Französischen „paix“ abgeleitet sind.
Pax kommt von „pangere“, was „fangen“ und „befestigten“ bedeutet und auch noch in unserem Wort „Pakt“ nachklingt.
Wer schließt da mit wem einen Pakt? Und woran erkennt man, dass es kein Pakt mit dem Teufel ist?

Ist unser Friedensbegriff also schon von der sprachlichen Herkunft her frag-würdig, so erscheint es mir sehr sinnvoll, danach Ausschau zu halten, wie der Frieden in anderen Sprachen klingt.

Man kann schon darüber staunen, dass ausgerechnet aus dem Nahen Osten, der aus unserer Sicht am meisten umkämpften Region der Welt, ein umfassenderer und weiterführender Friedensbegriff zu uns gelangt.
Die semitische Verbalwurzel šlm findet ihren Ausdruck sowohl im herbräischen „schalom“ wie auch im arabischen „salam“.
Was diese Begriffe alles ausdrücken und enthalten, ist in unserem „Frieden“ auch nicht ansatzweise über-gesetzt worden.
Es geht um „personelle und sachlich integere Zustände bzw. deren Wiederherstellung…Seine vielen Aspekte, die im weitesten Sinne ungefährdetes Wohlergehen, Glück, Ruhe und Sicherheit umfassen, kommen jedenfalls dem sehr nahe, was im Alten Israel als Inbegriff des Segens verstanden wurde.“(1) Das ist weit mehr als Nicht-Krieg. Es geht um die „lebensfördernde Geordnetheit der Welt“.(2)
Bemerkenswert ist auch, dass sowohl im arbaischen „Salam (aleikum)“ wie im jüdischem „Schalom (alechem)“ mit diesem Begriff ein Gruß und Wunsch verbunden ist.
Die biblische Gußformel „Friede sei mit euch!“ hat Einzug in die Praxis der christlichen Gottesdienste gefunden.

Was wäre, wenn man dieses „Friede sei mit euch!“ nicht nur als eine alte Floskel betrachten, sondern sich als aufrichtigen Wunsch und Zuspruch auch für die, die anders als ich und meinesgleichen sind, zu eigen machen würde.
Wir kämen dem näher, was Martin Luther King am 28. August 1963 meinte, als er in seiner berühmten Rede sagte: „I have a dream…“(3)

Entscheidend dabei ist und bleibt: Dieser Frieden kann nicht mit Verträgen begründet oder gar mit Waffengewalt hergestellt werden. Es braucht offene Herzen, die den Mut haben, den eigenen Dämonen, vornehmlich der Angst, dem Hass und der Feindschaft, zu widerstehen und bereit sind, gegen diese inneren Feinde des Friedens den Jihad aufzunehmen, wie es in ihrem Glauben gereifte Moslems verstehen.(4)

Und nicht zuletzt: Der innere Frieden ist die Wurzel allen Glücks, auch im Verhältnis zwischen Mann und Frau.

—–

(1) http://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/friede-schalom-3/ch/1f44da99ca16cead7add5b84acf1b15b/#h2
(2) ebd. Zitat aus: Steck, O.H., 1972, Friedensvorstellungen im alten Jerusalem. Psalmen, Jesaja, Deuterojesaja (ThSt 111), Zürich, S.29
(3) http://de.wikipedia.org/wiki/I_Have_a_Dream
(4) „Jihad“ sollte nicht mit „Heiliger Krieg“, übersetzt werden. Die arabischen Wurzel Jahd bedeutet „Mühe, Mühsal“ und macht so sehr realistisch deutlich, dass es sich dabei um eine anstrengende innere Auseinandersetzung handelt. Vgl. http://www.mmnetz.de/onlinebuecher/jihad.htm

 

 

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s