Wichtig!

Manchmal wird gesagt:
Nimm dich nicht so wichtig!
und es scheint auch, als ob
das manchem
gesagt werden sollte.
Aber bei Lichte besehen,
ist doch
selbst in diesem Falle
das Gegenteil richtig.
Es sollte manchmal gesagt werden:
Nimm Dich wichtig!
Wenigstens so weit,
dass du in Erwägung ziehst,
du könntest noch
zu dir selber finden
und mehr sein als
ein Wichtigtuer.

Es ist besser

Es ist besser, mit den Engeln zu singen als mit den Wölfen zu heulen.

Wenn Worte eine Wirkung haben, und die haben sie, dann richten wir uns mit ihnen in unserer Welt ein.
„Die Sprache ist das Haus des Seins“, sagt der Philosoph Martin Heidegger dazu.

Wie haben wir uns eingerichtet?
Und ist da vielleicht ein Umbau oder eine Sanierung fällig?

Wenn wir mit den Wölfen heulen, leben wir in einer Wolfshöhle, lauern auf das nächste Opfer und fürchten uns, bald selbst ein Opfer zu werden.
Das Wolfsgeheul scheint allgegenwärtig zu sein. Die sich häufig hoch auftürmenden Empörungswellen bringen in der Regel kein Löschwasser, sondern gießen statt dessen Öl ins Feuer. (Und dabei gibt es kaum etwas, was Wölfe mehr fürchten als das Feuer.)

Besser ist es, mit den Engeln zu singen.
Das erscheint seltsam und befremdlich? Weil wir es verlernt und kaum wieder probiert haben.
Natürlich kann man sich damit lächerlich machen. Aber wir wären dabei in bester Gesellschaft.
Nur eins ist der Gesang der Engel nicht: Leeres, abgehobenes, realitätsfernes Trallala. Es ist vielmehr der Beginn einer neuen Realität inmitten der Trümmer, die aus dem Wolfsgeheul entstanden sind. Der Gesang der Engel ist die Grundsteinlegung für ein neues Haus, in dem Frieden herrscht und Freude wohnt.

Sicher sind das große Worte. Eben deshalb ist es Zeit, darüber zu reden.
(Weihnachten wäre dafür kein schlechter Zeitpunkt.)

Hauptsache gesund!

Heute habe ich diesen Grundsatz wieder einmal gehört. Es war am Telefon.
„Hauptsache gesund!“

„Ja, natürlich“, möchte man sofort beipflichten.
Ja natürlich, die Gesundheit ist doch die Voraussetzung für alles andere.

… für ALLES andere?

Was ist mit den Menschen, die chronisch krank sind und vielleicht nie wieder gesund werden?
Sind sie von der „Hauptsache“ ausgeschlossen?
Was würde das für ihr Leben bedeuten – für ihr Selbstverständnis, für das Verhältnis zu ihnen?

Oder ist die Hauptsache noch etwas anderes?

Oder sollte man solche verwirrenden Fragen lieber gar nicht stellen?
Oder gerade doch, weil

es schließlich um die Hauptsache geht?

Man muss

es nehmen, wie es kommt.

Diesen Grundsatz habe ich schon oft gehört.
Wir sagen ihn aus der Einsicht, dass wir an manchen Dingen, die auf uns zukommen, nichts ändern können. Das fällt uns heutigen Machern und Zielstrebern besonders schwer: einfach nur erdulden, worauf wir keinen Einfluss zu haben scheinen. Die Menschen früher waren darin geübter, als wir es heute gemeinhin sind.

„Man muss es nehmen, wie es kommt.“ klingt deshalb zunächst sehr einsichtig. Ein Satz der Weisheit. Er erinnert an ein berühmtes Gebet:

Gib mir die Kraft zu ändern, was ich ändern kann.
Gib mir die Gelassenheit hinzunehmen, was ich nicht ändern kann.
Und gib mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

„Man muss es nehmen, wie es kommt.“ ist ein Grundsatz von sehr großer Tragweite. Deshalb möchte ich genau hinhören, wie er gesagt wird.
Er kann Ausdruck von Weisheit sein, aber auch der Ausdruck von Resignation.

Die Weisheit überwindet aber Resignation, Verzweiflung und Selbstaufgabe.

Die Weisheit fragt:
Man muss es nehmen, wie es kommt?
Dann wollen wir einmal sehen, wie wir es nehmen können!

Ich will nicht

anderen zur Last fallen!

Diesen Grundsatz habe ich schon oft gehört.
Ältere Menschen oder chronisch Kranke äußern ihn oft.
Sie denken an ihre Angehörigen, vor allem die Kinder und Enkel, die doch heutzutage so schon genug zu tragen haben. Da können sie sich nicht auch noch um mich kümmern, mich womöglich pflegen!
Das würde sie überfordern, neben allem anderen!
Und außerdem möchte ich nicht gänzlich auf sie angewiesen und von ihnen abhängig sein!

Darin kommen wohlbegründete Ängste zum Ausdruck, die ernstgenommen werden müssen.

Und doch scheint es mir wichtig, gerade diesen Grundsatz zu hinterfragen.
Was sagt das über uns, wenn uns Einkommen und Karriere wichtiger sind als Mutter und Vater?
Kann nicht die zeitweise Pflege eines Menschen auch ein ganz großer Gewinn werden?

  • ein Gewinn an neuer Lebenserfahrung und persönlicher Kompetenz
  • ein Gewinn an ungeahnter menschlicher Nähe
  • ein Gewinn an Einsicht in die Endlichkeit unseres Lebens

Ich möchte allen, die nach dem Grundsatz leben, anderen nicht zur Last fallen zu wollen, sagen:
Gerade als Last kannst du auch ein Segen für andere sein.
Gerade als Last kannst du anderen neue Möglichkeiten und Erfahrungen eröffnen.
Gerade als Last kannst du ihrem Leben ein neues Gewicht verleihen.
Gerade als Last bist du in besonderer Weise wertvoll.

Ich weiß sehr wohl, dass das im praktischen Leben nicht einfach ist und auf viele Widerstände stoßen wird. Die Frage ist nur, ob wir es uns nicht wert sind, trotzdem darüber nachzudenken?

Unser Leben ist genau das

was unsere Gedanken daraus machen.

Dieser Grundsatz des römischen Kaisers und Philosophen Marc Aurel ist für mich zu einem der wichtigsten Sätze geworden. Gefunden habe ich ihn auf einem buddhistischen Kalenderblatt.

Das Leben ist schnell und unübersichtlich geworden.
Das Angebot an Möglichkeiten ist unerschöpflich und wächst und wächst…
Eine daran ausgerichtete Suche nach dem optimalen Leben, wird schnell zur Überforderung.

Marc Aurel hilft beim Umdenken:
Besitztümer, Fähigkeiten, Erfolg, Einfluss und Macht führen nicht von selbst zu einem gelingenden Leben. Sie sind zwar nicht zu verachten, wohl aber mit Vorsicht zu genießen, weil sie in uns eine Dynamik erzeugen können, die uns buchstäblich unseres Lebens beraubt.

Unser Leben ist genau das, was unsere Gedanken daraus machen.
Wenn das so ist, dann führt der Weg zum guten Leben in erster Linie nicht über das, was vor mir liegt, sondern durch das, was in mir liegt.
Es lohnt sich also, stärker auf die eigenen Gedanken zu achten:

  • Wer spricht da eigentlich in meinen Gedanken?
  • Was sagen und was wollen sie von mir?
  • Wie einig sind sie sich untereinander?
  • Wie stehen sie zu mir, zu meinen Mitmenschen, zu meiner gesamten Umgebung?

Wenn wir es lernen, unsere eigenen Gedanken zu lesen, können wir besser verstehen, was mit uns los ist. Das ist keine leichte, aber lohnende Aufgabe. Schließlich geht es um unser Leben.