Der dunkle Weihnachtsengel

Der dunkle Weihnachtsengel

Wenn wir in diesen kurzen Weihnachtstagen
den Frieden suchen und das Kerzenlicht
mit gutem Vorsatz, ahnen wir oft nicht
die Mächte, die an unsern Herzen nagen.

Das ist des dunklen Weihnachtsengels Walten,
der lange im Verborgenen geruht.
Gerade jetzt entfacht er seine Glut,
um uns in diesen Tagen aufzuhalten.

Er nimmt den Glanz von allen Weihnachtsbäumen
und spricht zur stillen Nacht ein lautes Nein.
Von nahen Gräbern dringt ein Kinderschrein.
Wo möglich, weckt er uns aus unsern Träumen.
Der dunkle Weihnachtsengel, schwer und stumm
geht er in diesen Tagen wieder um.

Heiligabend

Ich hänge wieder Kugeln an die Zweige.
Ich stecke ein paar Lichter auf den Baum,
und dabei ist mir wie in einem Traum,
den ich mir selber immer wieder zeige.

Wie schön und schmerzlich leuchtet das Gedenken
an alle Jahre, die vergangen sind.
Ich war so lange, lange nicht mehr Kind.
Wird mir noch einmal jemand Freude schenken?

Es führt kein Weg zurück in alte Zeiten.
Die Gegenwart ist Gottes Ewigkeit.
Bist heute du, mein Herz, für sie bereit?

Im Buch des Lebens gibt es neue Seiten,
die heute für dich aufgeschlagen sind:
wirst gebraucht und zwar von diesem Kind.

Der Engel am Heiligen Vorabend

Der Weihnachtsengel übt noch seine Rolle.
Er kennt die Worte; doch sie sind ihm schwer.
Das Haus ist kalt, die Bänke vor ihm leer.
Die Anderen genießen jetzt schon Stolle.

Laut, fast schon schreiend sagt er an die Freude,
die allen morgen widerfahren soll.
Und irgendwie ist ihm dabei nicht wohl:
Er weiß doch, wie sie denken, seine Leute.

Sie hören gerne süße Engelsstimmen
und zögen liebend gern ihm Flügel an.
Bei dem Gedanken fühlt er sich ergrimmen.

Oh Gott, was ist das für ein Weihnachtswahn? –
Willst du, dass dich die Menschen morgen hören,
musst deinen Engel du zuerst bekehren!

Wortschein

Wie Wörter willig sich zu Worten fügen
vom Zeitgeist eben frisch gestylt und frech
dem Reim am Abgrund nahe beinah läch-
ehrlichen Herzens Versmaßen genügen

Das Silbenspiel weist hin schon auf die Wahrheit
und fräst sich klangverstärkt im hohen Ton
in Räume vor wo kürzlich noch ganz ohn-
mächtig gestolpert wurde bar der Klarheit

Aufleuchten freudig weit vernetzte Lichter
umweben rhythmisch jeden blinden Fleck
des Wörterteppichs Fäden scheinen dichter
verzwirnten Hirnen wirbelwilde schreck-
sekundenlange Blitze zu vereinen…
Der Worte Wahrheit ist wo möglich Scheinen