Das wirkliche Geheimnis von Weihnachten

Weihnachten
wir sehen uns
mit anderen Augen

 

Es weihnachtet wieder. Die Stimmung ist gemischt. Auf der einen Seite freuen wir uns natürlich wie alle Jahre wieder auf das schönste unserer Feste. Auf der anderen Seite aber steht der Freude sehr viel entgegen.

In diesem Jahr scheint es besonders schlimm zu sein: Der Terror und das Anwachsen der Gewalt sind noch bedrängender als schon zuvor geworden. Immer mehr Menschen flüchten aus ihrer Heimat. Sie kommen zu uns und sind  unser Thema Nr. 1 geworden. Durch unsere Gesellschaft geht ein tiefer Riss. Einzelne Gruppen stehen sich mit Unverständnis und mitunter auch hasserfüllt gegenüber. Die Politik wirkt oft hilflos. Der europäische Zusammenhalt und viel beschworene Werte treten hinter nationalen Interessen zurück. Der Ton in den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen ist aggressiver geworden.

Angst und Gewalt greifen auf verschiedenen Ebenen um sich, äußern sich in vielen Formen, verwirbeln sich in lebensbedrohliche Eskalationsspiralen und entladen sich immer wieder über unschuldigen Menschen.

In diese Zeit fällt Weihnachten 2015.

Für viele ist das Fest längst schon zu einer sehr fragwürdigen Konsumveranstaltung geworden, der man sich nur schwer entziehen kann. Der von Coca Cola ausgestattete Weihnachtsmann ist allgegenwärtig. Oder macht er sich in diesem Jahr rarer, weil er zur Reizfigur werden oder weil er mit seinem Geschenkesack als potentieller Gefährder verdächtigt werden könnte?

Andere blicken halb erwartungsvoll, halb skeptisch auf ein paar gemeinsame Stunden mit ihren Lieben, die gerade in diesen Tagen meistens so viel um die Ohren haben, dass der Stresspegel noch um einiges höher liegt. Schaffen wir das? Hoffentlich geht es gut mit dem trauten Beisammensein! Das Wort von der schönen Bescherung ist recht vieldeutig geworden.

Und dann ist da unter all dem anderen auch noch die alte biblische Weihnachtsgeschichte mit dem Engelsgesang. Ehre sei Gott in der Höhe und auf der Erde Frieden.  Das klingt ziemlich krass, wenn man im Blick behält – und wie könnte man das nicht im Blick behalten -, was Menschen in Gottes Namen und um Gottes Willen daraus machen.

Trotzdem: Auch am Heiligabend 2015 wird diese Geschichte wieder viele Menschen – viele sehr unterschiedliche Menschen – in die Kirchen ziehen. Sie erweist sich noch immer als nicht verbraucht und verschlissen und ist davor bewahrt geblieben, zur Groteske zu werden. Im Gegenteil: Sie zeigt sich bis heute erstaunlich ironie-resistent und hat von ihrer Ausstrahlung nichts verloren. Es scheint ein Geheimnis über dieser Geschichte zu liegen, das nur schwer in Worte zu fassen ist.

Schon viele Generationen vor uns haben versucht, diesem Geheimnis mit Worten, in Bildern oder durch Musik Ausdruck zu verleihen. Das Jauchzen vielstimmiger Chöre, die Bilder und Figuren aus kostbarem Gold und tiefsinnige Weissagungen von göttlichen Geheimnissen sind uns reichlich überliefert und werden in diesen Tagen wieder hervorgeholt. Wer noch in diesen Traditionen zu Hause ist, steht möglicherweise ergriffen davor. Sehr vielen anderen erscheint das alles wie die Ausstellungsstücke in einem großen Museum, die man während eines  Besuchs mehr oder weniger staunend, verstehend oder kopfschüttelnd zur Kenntnis nimmt, um bald darauf wieder in die eigene Zeit zurückzukehren.

Und doch: Alle Jahre wieder diese Ausstrahlung! Was ist für uns das Geheimnis der Weihnachtsgeschichte?

Wenn wir sie mit den skeptischen Augen unserer Zeit betrachten, werden wir kaum etwas Übernatürliches feststellen können, das den Fragen unserer kritisch geschärften Denkweise standhält.

Das Geheimnis der beiden ganz unterschiedlichen Weihnachtserzählungen aus dem Lukas- und aus dem Matthäusevangelium lässt sich nicht an harten Fakten festmachen. Ihre äußere Welt ist so wie die unsere. Sie ist von Armut und den Strapazen der kleinen Leute bei der Suche nach einem Dach über dem Kopf geprägt.

Und von politischer Willkür, von Angst, Gewalt und Mord und der dadurch erzwungenen Flucht. Und kein Engel oder Gott schreitet direkt dagegen ein.

Das Geheimnis, bei dem dann allerdings auch Gott und seine Engel und ein wunderbarer Stern ins Spiel kommen und zu leuchten anfangen, liegt in der Verwandlung der beteiligten Menschen. Von dieser Verwandlung erzählt und lebt die Weihnachtsgeschichte.

 

Da ist als erstes Maria, ein junges Mädchen, das zunächst voller Fragen und Zweifel ist, bevor sie verstehen und annehmen kann, was mit ihr geschehen soll. Sie wird Mutter werden und soll Jesus zur Welt bringen.
Und dann Joseph, der Mann an ihrer Seite. Er ist zuerst fassungslos über diese ungeahnte Schwangerschaft und will sich heimlich davonmachen. Doch er ändert seine Einstellung, er bleibt da und nimmt die Vaterrolle an. Als das Kind geboren ist, werden als erstes Hirten, die als Tagelöhner auch die Nacht auf den Feldern zubringen mussten, in die Geschichte einbezogen. Sie werden Zeugen einer himmlischen Erscheinung, die sie erschrecken lässt. Und sie fürchten sich sehr. Doch dann lassen sie sich ansprechen und bewegen. Sie suchen und finden das neugeborene Kind und seine Eltern. Sie selbst werden dabei froh und dankbar und fangen an, darüber zu reden. Und schließlich kommen auch noch Gelehrte aus dem Morgenland, die den Himmel nach Zeichen erforschen und zunächst an der falschen Stelle suchen. Herodes im Königspalast weiß nichts von einem neugeborenen König. Im Gegenteil: Er wird misstrauisch und setzt seine Machtsicherungsmaschinerie in Gang, die vielen Neugeborenen und Kindern bis zu zwei Jahren in und um Bethlehem das Leben kostet. Doch die weisen Männer, die später auch als Könige betrachtet werden, sehen ihren Irrtum ein und lassen sich nicht täuschen. Sie machen sich erneut auf die Suche und finden und beschenken das neugeborene Kind königlich. Auch sie werden dabei selber froh.

Die Ausstrahlung und das Geheimnis der Weihnachtsgeschichte beruht auf der Verwandlung der beteiligten Menschen. Ihre Verwandlung äußert sich darin, dass sie trotz anfänglicher Ängste und Zweifel, trotz großer Strapazen, trotz bedrückender Verhältnisse, trotz Feindseligkeit und Gewalt ein so tiefes und starkes Ja zu dem ihnen geschenkten Leben finden, dass sie späteren Zeiten als Heilige erscheinen und auch für uns heutige Menschen noch weihnachtlich leuchtende Beispiele sind.

Diese Verwandlung schaffen sie nicht aus sich selbst heraus. Die Erzählungen sprechen hier vom Eingreifen göttlicher Kräfte. In ihrem Kern handelt es sich dabei stets um klare Worte, zur rechten Zeit das Richtige zu tun: Maria und die Hirten werden von Engeln angesprochen und auf die tiefere Bedeutung des Geschehens hingewiesen. Joseph und die Weisen aus dem Morgenland werden von Gott im Traum auf den richtigen Weg gebracht.  Gott erweist sich in den Erzählungen nicht als eine Art allmächtiger Kriegsherr, sondern als guter Geist, der das zerbrechliche Menschenleben schützt und ins rechte Licht setzt, indem er die Verwandlung der Menschen betreibt.

Ja mehr noch: Auch Gott selbst verwandelt sich. Das wird besonders deutlich am Anfang des Johannesevangeliums in einer Art Weihnachtslied zum Ausdruck gebracht. Der göttliche Logos, die Kraft, der Geist, das Wort – alles Hilfsbegriffe für den, die oder das Unbegreifliche(n), kurz: Gott selbst – wird Mensch und wohnt unter uns, und wir können seine Herrlichkeit im Angesicht des Menschen sehen.

Wo es wirklich weihnachtet, hat die Angst ihre letzte Macht verloren, weil Gott nicht länger dafür herhält. Er selbst verwandelt sich aus einem höheren  Wesen, das den Menschen Angst einjagt, in ein schutzbedürftiges Kind, das ausschließlich zur Liebe provoziert. Gott ist die Liebe, heißt es, und in genau dieser Liebe wirkt die verwandelnde Kraft.

 

Kehren wir zum Schluss wieder in unsere Zeit zurück, die am Ende des Jahres 2015 so von Unruhe, Angst und Gewalt erfüllt ist, dass bange Fragen aufbrechen: Ist die Menschheit noch zu retten, oder treibt sie unaufhaltsam auf den Abgrund zu?

Die Möglichkeit zu einem Weiter so scheint immer unrealistischer zu werden. Es spricht einiges dafür, dass wir nur eine einzige Chance haben: Uns auch verwandeln zu lassen, beginnend im kleinen Raum unseres persönlichen Lebens und hinauswirkend in das große Ganze dieser Welt. Zu Weihnachten ist mit dieser Geschichte schon der Anfang gemacht. Und es ist höchste Zeit, dass wir heute neu anfangen, Weihnachten wieder als das ernst zu nehmen, was es unserem Kalender nach ist: die große Wende der Zeiten.

Gesegnete Weihnachten!

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16. Sonntag nach Trinitatis – Cool!

Christus Jesus hat dem Tod die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium. 2.Timotheus 1,10

Gestorben wird immer. Viel zu oft trifft uns der Tod auf erschreckende Weise: ganz plötzlich oder auf dem Weg einer langen, tückischen Krankheit, oder durch persönliche Gewalt und massenhaft, wenn Katastrophen oder Terror und Krieg losbrechen.
Den Tod können wir nicht aus der Welt schaffen, und am Ende ist er das Einzige, was uns allen sicher ist.

Die Beschäftigung mit dem Wochenspruch kann das nicht ignorieren oder leicht und fröhlich überspringen. Auf dem Hintergrund unserer täglichen Erfahrung mit dem Tod, erscheint diese Botschaft mehr als gewagt.
Damit nicht genug: In den gottesdienstlichen Lesungen begegnen uns an diesem Sonntag auch noch zwei Geschichten aus den Evangelien, die ganz handfest davon erzählen. Da ist als erstes die Geschichte von der Auferweckung des Lazarus aus Johannes 11: Jesus ruft den schon seit drei Tagen im Grab Liegenden, von dem bereits Verwesungsgeruch ausgeht, aus seinem Grab heraus. Und Lazarus kommt mit Grabbinden umwickelt aus dem Tod zurück. Und dann die Geschichte von der Auferweckung des Jünglings zu Nain in Lukas 7: Jesus stoppt den Trauerzug mit dem Sarg, berührt ihn und sagt dem Toten, dass er aufstehen soll und gibt ihn seiner weinenden Mutter zurück.

Was soll ich, was kann ich dazu sagen?
Am besten ich fange mit dem an, was ist: ich bin an dieser Stelle erst einmal ratlos.
Also muss ich mir Rat holen. Weit muss ich dazu nicht gehen. Ich kenne die verschiedenen Positionen und Meinungen doch recht gut und versuche jetzt einfach mal mit ihnen ins Gespräch zu kommen:

Da ist zunächst der moderne Mensch. Der sagt mir: Mach dir keine unnötige Mühe mit diesen alten Geschichten. Tot ist tot. Auferweckung gibt es nicht. Das haben die Menschen früher geglaubt. Heute sind wir aufgeklärt. Das sind nur fromme Vorstellungen und Wünsche. Von denen sollten wir uns nicht den Verstand vernebeln lassen.
Aber kann ich die Bibel einfach so abtun? Wenn ich mir nur noch das raussuche, was ich sowieso schon denke und glaube, dann mache ich mich doch selbst zum Maßstab und die Bibel überflüssig.

Richtig!, unterstützt mich jetzt eine Mitchristin, die immer wieder betont, dass man am Wort Gottes nicht herumdeuteln darf. Der Heiligen Schrift muss man glauben und vertrauen. Wir können Gottes Wunder nicht immer mit unserem Verstand erfassen. Doch Gott ist kein Ding unmöglich.
Natürlich kenne ich diese Position sehr gut, aber ich werde nicht so richtig froh dabei. Sie klingt mir zu sehr nach trotziger Rechthaberei. Zweifel lassen sich nicht verbieten, und überhaupt: Gottes Wort soll doch eine frohe und befreiende Wirkung haben und muss deshalb auch so rübergebracht werden.

So ist es und so war es!, antwortet mir als nächstes ein Professor der Bibelwissenschaften. Wir müssen die Bibel im Kontext ihrer Zeit verstehen. Historisch belegt ist, dass es für die Menschen damals keine ganz und gar unmögliche Vorstellung war, dass jemand von den Toten zurückkehrt. Nehmen wir nur mal die alten Ägypter, oder auch die alten Griechen…
Ich fürchte, das wird ein langer Vortrag, wenn ich hier nicht unterbrechend eingreife. Mir geht es nicht so sehr um die historische Gelehrsamkeit, sondern um das Evangelium für uns heute.

Genau, meldet sich jetzt eine Psychologin. Wir müssen solche Geschichten heute symbolisch verstehen und fragen, was sie uns eigentlich sagen wollen. Es geht doch darum, dass wir starke Impulse zum Leben finden. Diese alten Geschichten sprechen tiefere Schichten in unserer Seele an.
Ich gebe zu, dass ich diese Meinung ganz ansprechend finde, aber so richtig wohl ist mir nicht dabei. Werden die biblischen Geschichten dabei nicht nur wie alte Gemälde ausgesucht und benutzt, um heutige Erkenntnisse zu illustrieren und zu veranschaulichen?

Ich bin weiter ratlos und schaue mich um, ob da noch jemand ist, dessen Meinung ich hören sollte. Da ist noch ein Jugendlicher, der bisher nicht zu Wort gekommen ist. Ich ermuntere ihn und frage ihn nach seiner Sicht. Was hältst du von den Geschichten, wo Jesus Tote auferweckt?
Cool!, antwortet er.
Nur dieses eine Wort.
Mein erster Gedanke ist: Typisch!
Aber ich bin auch verblüfft, weil ich das jetzt nicht erwartet hätte.
Da stammle ich rum, bin ratlos, frage die Experten, komme zu keinem klaren Schluss wie ich diese für uns so schwierig gewordenen biblischen Worte und Geschichten heute auslegen soll, und dieser Typ tut das mit einem einzigen Wort: cool.
Zuerst wehre ich mich noch dagegen:
Ganz so einfach und salopp kann man damit doch nicht umgehen.
Da steckt doch so viel drin und auch dahinter!
Hier geht es doch um zentrale Aussagen und Wunder des christlichen Glaubens!
Darüber werden seit alter Zeit immer wieder große Predigten gehalten und dicke Bücher geschrieben!
Und die Gemeinde erwartet doch etwas Klares, Stärkendes und Richtungsweisendes!
Ich komme damit nicht klar. Ich fühle mich wie Goethes Faust, der unter anderem auch Theologie studiert hat : Da steh ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor. Und dann kommt dieser junge Mensch und sagt einfach nur Cool!

Ehrlich gesagt, ich wußte nicht einmal so hundertprozentig, was genau mit diesem Wort gemeint ist. Aber ich habe im Duden nachgeschlagen. Dort steht unter cool: Jugendsprache für hervorragend.
Und das trifft es genau!
Was hier von Jesus erzählt wird, ragt aus dem, was mir sonst im Leben begegnet, so einmalig hervor, dass ich es gar nicht fassen kann. Das ist wie eine ganz neue Sicht auf das Leben. Vieles in mir wehrt sich auch dagegen, aber diese Worte und Geschichten lassen mich einfach nicht wieder los. Ich vermute, das ist ihr wahrer Sinn: dass sie in uns wie ein göttliches Samenkorn keimen und wachsen und aufgehen und Frucht bringen. Wenn Gott zu reden anfängt, sieht das Leben – trotz aller meiner Erfahrungen – anders aus.

Paris – 8. Das Busenwunder

Sind wir nun, in der Ära der kollektiven Veräpfelung, am Ende der Geschichte angekommen? Es mag den Anschein haben, denn wo das Subjekt verschwindet, wer kann da noch Geschichten, geschweige denn Geschichte machen?

Indes, unterschätzen wir unsere Frauen nicht! Wir können doch nicht ernsthaft annehmen, dass die göttliche Hera, die göttliche Athene und die göttliche Aphrodite so mir nichts dir nichts in ihren Kittelschürzen verschwinden!
Im Gegenteil: Hera will schon von Anfang an, stimuliert auch von den tief empfundenen Vibrationen ihres Traktors, mehr Gegenbewegung. Und Aphrodite versucht ständig, ihre Reize auszureizen. Die kluge Athene aber rät und mahnt, die Zeit reifen zu lassen, bis ein Umsturz in der Plantagenwirtschaft genügend Aussicht auf Erfolg hat, weil die Gefolgschaft der Veränderungsbereiten so weit angewachsen scheint, dass sich ihr niemand mehr im Namen des Kollektivs in den Weg zu stellen vermag.

Vielleicht registrieren wir inzwischen, dass sich unser Blick auf die drei Göttinnen gehörig verändert. Jetzt avancieren sie zusehends zu Sympathie- und Hoffnungsträgerinnen. Wer, wenn nicht sie, kann unter dem allgegenwärtigen Diktat des Kollektivs etwas bewirken? (Nebenbemerkung in Klammern: In der Opposition können Göttinnen und ihre Göttergatten so richtig toll sein.)

Die himmlischen Weiber haben längst erkannt, dass dem System der Massenmenschenhaltung nicht mit Argumenten und auch kaum mit der Gewalt der erhobenen Fäuste beizukommen ist. Es bedarf vielmehr eines subtileren Ansatzes, der unter Einsatz basaler Triebeskräfte die Anarchiewilligen aufreizt und sich erheben lässt, die Verhüter des Aufstandes aber irritiert und paralysiert.

Eines schönen Sommertages während der Feierlichkeiten zu den alljährlich begangenen kollektiven Apfelplantagenfestspielen ist die Zeit gekommen. Hera, Athene und Aphrodite treffen sich wie zufällig an einem Grill. Zum einen, um noch einmal gehörig Glut in sich aufzunehmen, zum anderen aber weil hier viele Festspielbesucher um eine der begehrten Würste anstehen. Und dann – wie auf ein geheimes Kommando – streifen sie sich gleichzeitig die Kittelschürzen von den nackten Leibern und rufen für alle unüberhörbar: „Hier sind die Äpfel!“
Die Wirkung dieses Rufs und dieser Tat ist ungeheuerlich: Es gibt einen kurzen Moment der Stille, in dem man das Nagen der Würmer in den Äpfeln im Biobereich der Plantagenbäume und das Summen der Obstfliegen um den wie stets subventionierten Apfelwein deutlich hören kann.
„Hier sind die Äpfel!“ Dieser Ruf pflanzt sich mit dem Geräusch zerreißender Kittelschürzen tausendfach fort, und in diesem selben Moment zerreißt auch das System.

Wie genau das möglich geworden, welche elementaren Kräfte und Kausalitäten dazu beigetragen, welche Rolle der Männer Kräfte und Säfte dabei gespielt – über alle diese Fragen forschen Historiker und Feminologen wohl noch lange Zeit.
Wichtig für uns und für unseren Paris ist und bleibt das Ergebnis:
Hera, Athene und Aphrodite verüben unter den widergöttinlichsten Bedingungen gemeinsam eines der größten weiblichen Wunder: das Busenwunder. „Hier sind die Äpfel!“ – Die Zeit der Diktatur der kollektiven Veräpfelung ist vorüber.

(Fortsetzung folgt)